„Sie entschuldigen mich …“

„Nun, es scheint so, daß zur Zeit niemand das von Ihnen Offerierte kaufen will. Entweder also Sie verändern Ihre Ware, oder Sie verändern die potentiellen Käufer. Schaffen Sie das nicht, haben Sie verloren. Das nennt man Marktwirtschaft.“ So ungefähr sagte der Mann das, den ganz genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Jedenfalls meinte er es, das war mir von Anfang an klar, nicht gut mit mir und prahlte dann auch noch ganz offen mit dem „guten“ Geld, das er für seine Arbeit bekomme, weil er es schlau angefangen habe. „Sie haben sich, wie es aussieht, Armut und Ärger eingehandelt, ich mir Wohlstand und Zufriedenheit. Kunst ist das, was Menschen wie ich kaufen, der Rest ist nicht relevant.“ So sagte der Mann, doch dann lächelte er doch noch wohlwollend in meine Richtung, denn er hatte es ja nicht so gemeint – und selbst wenn, dann kann er sich solch eine Meinung selbstverständlich ebenso locker leisten wie einen guten Anwalt. Ich fühlte mich also einen Moment lang ganz hilflos in meiner ethisch-moralischen und intellektuellen Überlegenheit, weil ich ja wußte, er kann zwar nicht auf mein Niveau hinauf, ich aber sollte auch nicht auf seines hinab, wo er mich ja leicht würde besiegen können, letztlich, gäbe ich mir die Blöße. Ich tat also nichts, lächelte ebenfalls, lugte zum Buffet hinüber und sagte einen Satz, den ich allen Ernstes noch nie im Leben gesagt habe: „Sie entschuldigen mich …“ Da fiel ihm die Kinnlade runter.

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