Stockende Gerinnung

Was mich zur Zeit umtreibt, gerinnt mir nicht zu Sprache. Oder nur, wie hier, zur einfachen Feststellung des Umstandes selbst. Mit Sprache meine ich die mir eigene literarische. Warum das so ist, ist mir, naturgemäß, schleierhaft. Was die Reaktionen auf mein Schreiben angeht, darüber denke ich nach als eine mögliche Ursache – so war die letzten Monate alles dabei, würde ich mal sagen, Beschimpfungen und auch Belobigungen von Laien ebenso wie kritische Anerkennung meiner Arbeit durch Fachleute, wenngleich alles zusammen genommen für den Moment noch nichts Faktisches zeitigt. Geduld ist gefragt. Arbeit. Interessant dieses Bild: meine Arbeit stockt, weil das mich Umtreibende mir nicht zu Sprache gerinnt. Die direkteste Antwort auf die Frage nach dem Warum ist mir allerdings die, nach Jahren der konkreten Arbeit an meinem Roman nun zunächst dessen Veröffentlichung zu brauchen, schlicht der Wertschätzung wegen, um frei wieder arbeiten zu können, auch an ganz und gar anderen Texten. „Nimm dich wichtiger“, sagte mir mal jemand, „schreib über Dich, nur das wollen die Menschen lesen, die großen Würfe sind literarisch doch ohnehin längst getan.“ Ich weiß nicht mehr, was ich genau antwortete, so etwas wie daß der Schriftsteller alle Wirklichkeit nimmt und sie neu zusammensetzt, aber ich weiß, wie mir diese Ansicht querging, daß nämlich alles Große bereits getan ist und wir alle nur Epigonen seien, denn wenn das stimmte, wäre dann die ganze literarische Arbeit denn nicht nur Dienstleistung? Ein Produkt wie andere auch? Ja, das wäre sicher so, aber allein der Umstand, sich eben dem zu erwehren, ist zusätzlicher Grund genug, zu schreiben. Doch noch stockt mir die Gerinnung und nichts wird mir fließend, wenngleich ein schräges Bild aus Worten schon einmal ein Anfang ist.

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