Ankündigung: sukzessive Online-Veröffentlichung meines Romans „Ankerlichten“

Anlässlich meines zweiten Aufenthaltsstipendiums im Künstlerdorf Schöppingen, der erste Aufenthalt dort fand 2010 statt, präsentiere ich meinen damals begonnenen und inzwischen fertiggestellten Roman Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache aus meinem Nachlass zu Lebzeiten heraus online auf dieser meiner Website.

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Robert Musil veröffentlichte übrigens ein Buch mit dem Titel Nachlaß zu Lebzeiten und schreibt in seiner Vorbemerkung: „Warum Nachlaß? Warum zu Lebzeiten? Es gibt dichterische Hinterlassenschaften, die große Geschenke sind; aber in der Regel haben Nachlässe eine verdächtige Ähnlichkeit mit Ausverkäufen (…): ich habe jedenfalls beschlossen, die Herausgabe des meinen zu verhindern, ehe es soweit kommt, daß ich das nicht mehr tun kann. Und das verläßlichste Mittel dazu ist, daß man ihn selbst bei Lebzeiten herausgibt; mag das nun jedem einleuchten oder nicht.“

In diesem Sinne werde ich meinen Roman, 480 (Norm-)Seiten stark, als unlektoriertes (wenngleich vollkommen fertiggestelltes) Manuskript letzter Fassung darbieten; der Roman hat 27 Kapitel (inklusive Epilog), die nach und nach veröffentlicht werden. Es sei noch angemerkt, dass ein wirkliches Interesse seitens der Verlage (oder der Literaturagenturen) an diesem Text zu keiner Zeit bestanden hat, wahrscheinlich deswegen, weil als Roman verkleidete Memoiren, als Roman verkleidete Bekenntnisse zu einer Lebensweise oder einer Sportart und als Roman verkleidete Berichte über Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, berühmte Forscher, erlittene Krankheiten oder das Älterwerden für die auf genau solche Texte konditionierte, in Unmündigkeit gehaltene Leserschaft, überwiegend alte Tanten beiderlei Geschlechts, einfach mehr Geld in die Kasse spülen als Texte, die eine tatsächlich aus der Wirklichkeit heraus erfundene Geschichte darstellen und sich durch hohe literarische Qualität auszeichnen. Den anspruchsvollen Lesern und Leserinnen bleibt so mangels Herausgabe zeitgenössischer Texte von Format fast nur noch das Lesen der sogenannten Klassiker, deren Autoren und Autorinnen allerdings zu ihrer Zeit mit den selben Problemen zu kämpfen hatten wie wir Heutigen, so dass sich bestenfalls konstatieren lässt, dass alles schon immer so scheiße war. Allerhöchstwahrscheinlich, das sei noch angemerkt, hat Mara Delius mit ihrer Polemik „Warum der Literaturbetrieb die falschen Männer hat“ durchaus recht! So schreibt sie:

„Dass es so viel brave, falbe, biedere, staubige, teigige, dröge, pellkartoffelige, also: so viel schlechte Literatur gibt, liegt nicht an Frauen – weder an denen, die da sind, noch an denen, die fehlen. Es liegt daran, dass manche Leute schreiben können. Und sehr viele eben nicht.

Wieso die dann trotzdem in Massen verlegt, gedruckt und gefeiert werden und andere, bessere im Hintergrund verschwinden lassen? Der Verdacht: Es liegt an fehlendem Gespür für Form, Haltung, an mangelnder Geistesschärfe, kurzum: an ästhetischem Theoriebewusstsein. Früher war das eine männliche Domäne. Heute kann sich da keiner mehr so sicher sein – Glück für die Frauen, Pech für die Bücher.

Was heißt das? Ganz einfach: statt sich an einem verunsicherten Schattenpatriarchat zu orientieren, lieber eine starke Ästhetik behaupten. Wenn es auf einmal zwei schwache Geschlechter gibt, gibt es vor allem: eine schwache Literatur.

(Vorsicht: Springer-Presse! Aber was soll man machen, wenn in der Süddeutschen, der FAZ usw. überwiegend Stuss steht!)

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Hinweis: Das Copyright © und alle denkbaren Rechte an „Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache“ liegen weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert. Das Kopieren des Textes oder einzelner Teile ist ausschließlich für den privaten Gebrauch gestattet, sonstige Be- und Verarbeitung und eine Verbreitung in welcher Form und mittels welcher Medien und Techniken auch immer ist unter keinen Umständen gestattet.

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