Kris’genieß

Es ward Licht, Norbert W. Schlinkert

Nennen wir es doch ruhig Krise, den Übergang von der einen Bewegung hin zur anderen Bewegung durch Bewegung. Nein, nein, ich meine nicht die Welt als solche oder unsere mit voller Kraft in den Abgrund rasende kleine Nation, ich meine mich und meine Arbeit. [Hier steigen sicher einige Leser prophylaktisch aus, auf Wiedersehen!] Wie soll ich es sagen? Auf der einen Seite sind Texte, an denen und mit denen ich Jahre gearbeitet habe, auf dem Wege der Veröffentlichung, zwei sicher, einer schwebt taumelnd in eben diese Richtung, während ich auf der anderen Seite keinerlei Ideen für neue Texte habe, wobei das mit den Ideen die Bewandnis hat, daß der Keim einer Geschichte mich nur dann zur Arbeit treibt, wenn zugleich auch die Sprache dafür präsent ist. Jede meiner literarischen Arbeiten hat also immer auch eine eigene Sprache, auch wenn das markt- und marketingtechnisch nicht eben schlau ist, wenngleich es natürlich noch dümmer wäre, die Texte nicht zu schreiben. Aber wie gesagt, Funken schlägt es nur, wenn Idee und Sprache aufeinanderprallen, konventionelles Schreiben langweilt mich spätestens nach hundert Seiten, wie ich grad letztes Jahr wieder feststellen mußte, als ich eine Romanidee in zwei Weisen auszuarbeiten begann und keine funktionierte. Ergo werde ich jetzt abwarten, Geduld haben, die Krise genießen müssen, werde in mir gemäßer Weise rumgammeln, Sport treiben, Bücher lesen, an Tresen sitzen und trinken und quatschen und mich bereit halten für diesen einen Augenblick, in dem die Funken sprühen werden.

Gehörnt, Norbert W. Schlinkert

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