Dezemberbrief/2 (2011)

Eine gewisse Zurückgezogenheit um der eigenen Arbeit willen nimmt niemand übel, weil man sofort vergessen wird. Die wenigen Zeitgenossen, die einen nicht vergessen, denken allerdings nichts Gutes über den Zurückgezogenen, der der Welt doch ohne Zweifel etwas schuldig ist. Ideen zum Beispiel. Nun ist es nicht so, daß mir nichts einfiele, ganz im Gegenteil, doch ist es der Zurückgezogenheit Gesetz, nichts aus ihr heraus in die Welt zu entlassen, bis die Zurückgezogenheit ein Ende hat. Sie glauben garnicht, mit wie viel innerer Freude mir im Moment die Ideen und Bilder durch den Kopf gehen, ohne daß ich auch nur daran denke, sie zu ergreifen, zu formen und zu präsentieren. Das ist L’art pour l’art in ihrer reinsten Form. Natürlich gibt es auch Ideen und Bilder, die ich ergreife und forme, doch das ist die besagte Arbeit, um derentwillen ich die Zeit in meinem Bergfried verbringe. Ich denke, es wird Anfang März werden, bis die Ideen dann wieder Sinn und Zweck bekommen und sie mir wieder übel genommen werden können.

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