Dezemberbrief/2 (2011)

Eine gewisse Zurückgezogenheit um der eigenen Arbeit willen nimmt niemand übel, weil man sofort vergessen wird. Die wenigen Zeitgenossen, die einen nicht vergessen, denken allerdings nichts Gutes über den Zurückgezogenen, der der Welt doch ohne Zweifel etwas schuldig ist. Ideen zum Beispiel. Nun ist es nicht so, daß mir nichts einfiele, ganz im Gegenteil, doch ist es der Zurückgezogenheit Gesetz, nichts aus ihr heraus in die Welt zu entlassen, bis die Zurückgezogenheit ein Ende hat. Sie glauben garnicht, mit wie viel innerer Freude mir im Moment die Ideen und Bilder durch den Kopf gehen, ohne daß ich auch nur daran denke, sie zu ergreifen, zu formen und zu präsentieren. Das ist L’art pour l’art in ihrer reinsten Form. Natürlich gibt es auch Ideen und Bilder, die ich ergreife und forme, doch das ist die besagte Arbeit, um derentwillen ich die Zeit in meinem Bergfried verbringe. Ich denke, es wird Anfang März werden, bis die Ideen dann wieder Sinn und Zweck bekommen und sie mir wieder übel genommen werden können.

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8 Responses to Dezemberbrief/2 (2011)

  1. Kienspan sagt:

    Nun, ich habe Sie nicht vergessen und erlaube mir, die getroffene Annahme damit zu falsifizieren, dass ich eben n i c h t „nichts Gutes“ über Sie denke. Und schuldig ist der Autor/Denker auch nichts. Es ist eher das Publikum, das sich sogar in einer doppelten „Schuld“ wiederfindet: in einer Hol- und einer Bringschuld. Aber das habe ich andernorts bereits ausführlich, jedoch gründlich misslungen, darzustellen versucht.

    Ich grüße Sie.

  2. Lieber Kienspan,
    es ist schön, nicht ganz in Vergessenheit und zudem nicht unter die bösen Zungen geraten zu sein. Was die „Schuld“ des Publikums anbelangt, so gebe ich Ihnen imgrunde recht, muß aber dennoch erkennen, daß die Geister des Kulturmanagments kraft der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel die Last längst umgedreht haben. Das ist bedauerlich, sollte die Arbeit am Gegenstand jedoch nicht behindern – ein sicher nicht einfaches Unterfangen.

  3. Kienspan sagt:

    Über diese „Schuldumkehr“ denke ich gerade nach (und darüber, was die Publikumsbeteiligung daran betrifft).

  4. Kienspan sagt:

    Lieber Herr Schlinkert,

    meine Überlegungen zur „Schubumkehr“ habe ich nun dargelegt.
    Ich möchte Ihnen danken.
    Für das schöne Gespräch darüber, drüben auf TT.
    Und überhaupt.

    Ihr
    Kienspan

  5. Ja, lieber Kienspan, es läßt sich trefflich reden und diskutieren, drüben auf TT, ob nun über „Schubumkehr“ oder über sonst etwas. Hat fast was von einem literarischen Salon alter Prägung, finde ich.
    Mit herzlichen Grüßen,
    NWS

  6. Kienspan sagt:

    „Schuldumkehr“ sollte das natürlich heißen.
    *ach*
    (ssssssssschei**!!!!!!!!!)
    (‚tschulligung ; )

  7. Ist doch das selbe, wenn man es sich genau überlegt! Geht dann eben in die andere Richtung los.

  8. Kienspan sagt:

    Sie haben völlig recht. Jetzt kann ich’s auch sehen.