Mythenbildung bei den Vizes

Was soll ich mich einmischen, denke ich, ich bin ja kein Sportjournalist. Einerseits. Andererseits ist Mythenbildung immer interessant. So geschehen spätestens seit Samstag letzter Woche, da ging das Champions-League-Finale Bayern München gegen FC Chelsea an die Londoner, weil sie besser gespielt haben. Sie haben besser verteidigt, sehr viele Standardsituationen entschärft, Schüsse fast immer im richtigen Moment unmöglich gemacht oder abgeblockt, während die Münchner nach ihrem „Schema R“ angriffen, ohne Witz und Raffinesse. Ein Tor gelang ihnen, nachdem sie bereits ein Dutzend Möglichkeiten hatten. Chelsea hingegen hatte nur eine Ecke und auch nur eine große Tormöglichkeit, die aber brillant genutzt wurde. Im Elfmeterschießen waren sie dann auch besser bei etwa gleich guten Torhütern. Die Mythenbildung beginnt nun damit, ständig zu behaupten, man sei besser gewesen als der Gegner und habe den Sieg somit verdient, sozusagen schon allein deswegen. Schon nach den letzten fünf verlorenen Duellen gegen Borussia Dortmund wurde der Öffentlichkeit diese Version aufgetischt – man habe die Fehler zwar irgendwie selbst gemacht, die der Gegner dann ausgenutzt habe, das sei aber auch schon alles, besser sei der Gegner deswegen nicht gewesen. Eher hinterhältig, unfair, unsportlich gar bis zur Majestätsbeleidigung. Ach ja, nicht zu vergessen: der Fußballgott war keinesfalls auf Seiten der Bayern, das wird auch noch erwähnt. Nicht erwähnt wird, daß dies womöglich so ist, weil ihm nicht genug geopfert wurde, Geld oder Leidenschaft oder gar die Liebe zum Verein. Leidenschaft und Liebe hätten dann aber auch schon wieder viel mit Mythenbildung zu tun. Man kommt nicht drumherum – im Sport wie im Leben.

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