Geduld, nur Geduld!

Es gibt sie noch, diese Situationen, in denen mir nichts einfällt. Is‘ dann halt so. Kein Grund, nichts zu schreiben, vor allem wenn ich den Vorteil habe, es gleich als Ergebnis sehen zu können. Nur noch ein wenig Geduld, dann erscheint das hier auf zumindest meinem Bildschirm und der Potenz nach, also rein theoretisch, auf Millionen anderen. Ratzfatz geht das, Geduld ist da gänzlich unnötig. Michael Lentz schreibt in seinem Text Ich, anders. Eine Poetik der Schwelle (In: Textleben. S. 106): „Ich habe mit dem Schreiben keine Geduld, morgen schon könnte ich tot sein. Ein Buch in Angriff zu nehmen, das viele Jahre in Anspruch nehmen wird, ist mir grundsätzlich ein Graus, ich will den Kick unmittelbar sofort, und so sieht dann meine Literatur leider oft auch aus. Mein Trost ist, dass auch das langsame Schreiben eines Buches keine Garantie für sein Gelingen darstellt.“

Warum also mit viel Geduld Bücher schreiben? Um der Welt zu zeigen, was eine Harke ist? Ja, warum nicht. Abgesehen davon, daß das Schreiben niemals ein freiwilliger Akt sein kann, ist es natürlich auch mit Lust verbunden, das sollte man nicht vergessen. Lentz meint sicher genau das, wenn er in seinem Text davon spricht, Literatur habe eindeutig etwas mit sadomasochistischen Dispositionen zu tun (S.113). Dazu fällt mir natürlich eine Menge ein, aber jetzt habe ich ja schon etwas geschrieben, selbst wenn die Hälfte davon abgeschrieben ist. Eben fällt mir allerdings auch noch ein, daß ich ja eine Doppel-Nichtbegabung bin – ich kann also gut und gerne mal mit einer Kritzelei sagen, was Sache is‘, denn in der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze.

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