Typoskriptbearbeitung des ROMANs VII

Das wiederholte Prüfen von Fakten ist notwendiger Bestandteil einer Romanüberarbeitung, wenngleich man als Autor nicht hineinfallen sollte in das Meer von Informationen, die uns die heutige Internetwelt zur Verfügung stellt, selbst wenn man gut schwimmen kann. Ich schreibe schließlich keinen Reiseführer für gutbestallte Mittelstandskulturtouristen, sondern einen Roman, den die gutbestallten Mittelstandskulturtouristen natürlich kaufen und lesen sollen, klar, denn nur für Schriftstellerkollegen schreibt keiner, jedenfalls nicht freiwillig, auch wenn nur die wirklich verstehen können, worum es geht beim Schreiben – oft wird ja von Laien so getan, als sei ein literarisch hochwertiger Roman entweder unlesbar oder, wenn lesbar, am Ende doch nur reine Unterhaltung, für die man nur die Füße hochlegen und die Augen aufmachen muß. Solch eine Haltung gefällt mir durchaus nicht, sie ist egozentrisch, hedonistisch, snobistisch und nicht zuletzt Ausdruck einer durchkommerzialisierten Gesellschaft, in der Shades-of-Grey-Groschenromane natürlich das selbe Geld kosten wie Werke von Samuel Beckett oder Franz Werfel, was allein ja dem konsumfördernden Egalitarismus oft schon ausreichend Munition liefert. Ganz schuldlos aber sind die Künstler dann nicht, wenn sie selbst sich mehr und mehr elitär geben, wie etwa sehr viele Jazzmusiker, die den Kontakt zu einem größeren Publikum von Nicht-Experten nicht einmal suchen, vielleicht seitdem man Jazz an Hochschulen studieren kann. Das Handwerkliche zu lernen ist selbstredend wichtig, doch in all seiner Notwendigkeit ist das nur die eine Seite, während das Weltoffene und Alltägliche die andere Seite ist, die sogar zunächst banal sein kann, die dann aber, vermählt mit dem Handwerk, zu Großem führen sollte, weswegen ich mich nun jetzt sofort wieder an meine Romanüberarbeitung mache, in dem durchaus nicht alle Sätze so lang sind wie dieser hier, denn wer soll denn so was lesen, frage ich? Aber echt!

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