Das eigene Himmelreich

Manche sagen, du lamentierst nur noch, dabei denke ich einfach nur laut – oder schriftlich. Und was heißt schon „nur“ – machen Sie das mal, das Lamentieren, und zwar durch und durch produktiv. Mit Fleiß käme man da aber nicht weiter, Fleiß ist der Sklaventreiber der westlichen Moderne – sei immer schön fleißig, dann wirste was, hieß es immer. Doch als Kind sieht man ja überdeutlich, man spürt es, riecht es, was die Fleißigen geworden sind, wie sie geworden sind, worauf man beschließt, ich jedenfalls tat das, nie fleißig zu werden, zu sein, ganz gleich, was einem dafür versprochen wird. Lieber Mensch bleiben und werden als fleißig sein, sagte ich mir, flüsterte ich mir selbst ins Ohr, von innen, was ja in der Konsequenz auch immer heißt, mit Leidenschaft eben das gegenwärtig zu tun, was man will. In diesem Tun kommt mir dann oft der Satz in den Sinn, den ich von jeher auf meine Weise ernst genommen habe, dass nämlich des Menschen Wille sein Himmelreich sei. Wie oft habe ich das gehört! Natürlich, die Fleißigen meinten das negativ, das mit dem Willen und dem Himmelreich, das bekam ich schon mit, als Kind, aber ich spürte auch die Sehnsucht dahinter, seinem eigenen Willen gemäß auf seine eigene Weise zu leben und nicht so, wie der Chef das will oder die Gewerkschaft oder die Familie oder die Kirche oder die Partei oder die „Gesellschaft“. Albern natürlich die Vorstellung, für diese, meine Haltung zum Leben auch noch belohnt zu werden, wenngleich das nicht ausgeschlossen ist, weil die Sehnsüchtigen, womöglich ganz unbewusst, immer und immer suchen nach ihrem Willen und ihrem Himmelreich, sich also auch mal, qua Film oder Roman etwa, entführen lassen wollen, und sei es in eine Geschichte hinein, in der der am Fleiß und im Fleißigsein Gescheiterte dann schließlich im eigenen Himmelreich zugrunde geht – dies allerdings erst, und darauf kommt es an, am Ende seines Daseins und nicht schon während desselben. So gesehen kann Kunst ein Antifleißmedicamentum sein und hätte somit sogar einen Sinn. Wer hätte das gedacht!

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2 Responses to Das eigene Himmelreich

  1. itCONTROLLER sagt:

    Ihre Einstellung wirkt – wie immer – meist einladend.

    Leider sind die Texte, die Sie posten, IMMER uptörnend/ausladend/weltfremd/hä – wo bin ich hier??/Ah, ein kenner/what auch ever….
    :
    FAZIT:
    Sie sind ja nicht schlimm…
    Aber (in irgendeiner Weise) sind Sie einfach:
    BELANGLOS!
    B-e- L-a-n-g-l-o-s!!
    Haben Sie es verstanden?
    B-E-L-A-N-G-L-O-S-!!!

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