Nähe, Distanz, Räume

Wenn es wirkliche Nähe ist, die zwei Seelen und zwei Körpern widerfährt, und sei es nur kurz, ist das keine Illusion der Vergangenheit, sondern entweder ganz und gar gegenwärtig oder gänzlich inexistent. Letzteres mit Leib und Seele zu begreifen, dem gewiß zu sein, ist kein Geschenk des Himmels, sondern liegt allein in meiner ureigensten Verantwortung. Gerade in diesen Tagen begreife ich, klare Worte von woher auch immer (und seien es die eigenen) vorausgesetzt, ausnehmend schnell, wenn etwas vorbei, eine Nähe zu einer Distanz geworden ist. Doch wenn die Fehler getan und empfangen worden sind, wenn der eine Mensch sich dem anderen verschenkte, eine Sekunde, ein paar Tage oder wie lange auch immer, ist das Danach eines Jeden in der Distanz ganz wieder hergestellt, mit leeren Stellen und blinden Flecken zwar, aber immer ganz und gar. Nur begreifen, empfangen muß man das, als Erkenntnis! Dann, allein mit sich, ist es eine Weile so, als lebe man in einem zu großen Haus, gehe von Zimmer zu Zimmer, Raum zu Raum, ohne einer Menschenseele zu begegnen – aber bin ich nicht selbst Raum, trage ich mich nicht als Ganzes in diese Gemächer hinein und laufe dann weiter durch das Gebäude und die Räume des toten Hauses, um schließlich aber zu entkommen aus dem Vergangenen, mich wieder frei bewegen zu können, immer noch und wieder in mir selbst, aber frei? Ein In-sich-verloren-Gehen, ein Kreisen in sich selbst, ein ewig scheinendes Durchwandern des großen, leeren toten Hauses mit den blinden Flecken, dies geschah mir vor Jahren, ich verbrachte mich in mir selbst eine geraume Zeit. Jetzt aber bin ich, länger schon, frei für was auch immer geschehen mag, Schönes inbegriffen.

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