Die Wacht oder: gegenwärtig tot sein, geht das?

Kann man das, kann der Mensch das, kann ich das, meine Vergangenheit nicht annehmen, also nicht etwa die jüngstvergangene, sondern gleichsam die ganze? Sie sein lassen! Und doch zugleich aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen, der mir kürzlich erst zu begreifen half, was überhaupt vor sich geht, mit mir und in der kleinen Welt, die ich die meine nenne. Vor sich gehen, mit seinen Absichten einen Schritt in die Zukunft tun, wenn notwendig ins Dunkle hineinschreiten, besser ins Helle. Und was heißt Erfahrungsschatz, heißt das denn nicht, eben nur das Wertvolle zu bewahren, gleich ob bitter oder süß, und das andere entgleiten zu lassen, ihm nicht hinterherzuspringen, wenn es sich denn verflüchtigt? Dem anderen also sein Sein zu lassen, zu überlassen, es zu vergessen? Einen Schritt zu tun heißt immer, stürzen, fallen, stolpern zu können, der Länge nach hinschlagen. Bliebe wer liegen, es müßte bedeuten, er oder sie sei tot oder wie tot, nahezu gestorben, in sich verreckt, ohne den Willen noch aufzustehen, weiterzuschreiten, Schritte zu tun. Die Richtung zu wählen, gegenwärtig zu sein. Gegenwärtig tot zu sein ist keine Option! Denn ist Gegenwart nicht zugleich und immer eigentlich die Wacht und die Warte dem Möglichen gegenüber, schon Teil des Zukünftigen also, mit diesem mit festem Band verknüpft? Dem Gewünschten, dem Gewollten? Von der Warte aus schaut man hinaus ins Land. Gegen Mittag zu reisen oder gegen Morgen oder Abend hieß in der Literatur noch des 18. Jahrhunderts, in die Richtung zu reisen, in der die Sonne steht, des morgens im Osten, des mittags im Süden, des abends im Westen, wohin gegen Mitternacht reisen bedeutete, sich nach Norden hin aufzumachen. Sich aufmachen, nur darauf kommt es an!

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