Jetzt ist es passiert!

Ich kann meine eigene Website nicht mehr leiden – ich müßte sie umbauen, neue Farben, neues Design, alles andersherum, schräger, durchscheinender, so als tänzele eine Website im Schlafgewandel lächelnd über den Dachfirst oder so. Und dann denke ich mir, es kommt ja nicht auf das Äußere an, oder doch, schon auch!, aber eben nicht nur, es geht doch um die Texte, die hier stehen, und die stehen hier ja, auf meiner Seite, bei mir und neben und vor und hinter mir, und die kann ich auch nicht mehr leiden, ganz unabhängig vom Drumherum. So. Ich mag übrigens die meisten Webseiten nicht, und die, die ich mag, mag ich wegen der Texte, es sind nur vier Seiten, nämlich Tainted Talents, Die Dschungel, Gleisbauarbeiten und ZE ZURREALISM ITZELF, wobei ich letztere besonders mag, weil die Texte da so schön sind, so berührend und trotzdem klar. Das findet man selten.  

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Anpassung & Erfolg

 

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Immer schön in Bewegung bleiben

Sich zu bewegen ist allezeit wichtig! Doch was tun, wenn man dabei sein Leben vor die Wand gefahren hat? Genau: man setzt zurück, nimmt ordentlich Anlauf und probiert’s gleich nochmal, denn irgendwie muß man doch da durchkommen, durch dieses verdammte Ding! Also Anlauf genommen und noch ein Versuch! Tut man nix und bleibt bewegungslos, tut einem im Regelfall die Wand den Gefallen und bewegt sich ihrerseits, nämlich auf den armen Bewegungslosen zu, worauf sie ihn dann umschließt, ihn einkerkert, so also sehr wirkungsvoll bewacht und ihn auch nicht mehr wegläßt, ja, sie zwingt ihn, im Kreis oder, die eckige Variante, immer an der Wand lang zu gehen, innen an der Wand lang, wohlgemerkt. Zum Anlaufnehmen fehlt jetzt natürlich der Raum, so daß sich nun nur noch die Graf-von-Monte-Christo-Methode anbietet, Steinchen für Steinchen – letztlich auch ’ne Art, sich zu bewegen. Dann aber doch lieber mit Karacho durch die Wand durch, finde ich!!!

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Zeichen der Zeit / W

Wigwam

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Milieufragen

Ich frage mich oft, ob ich mich in einem Milieu bewege. Ob ich einem Milieu angehöre. Und wenn ja, welchem? Die Frage kam mir heute morgen wieder mal in den Sinn, als ich das Foto in der Süddeutschen Zeitung sah, das die Siegesfeier des Grünen Fritz Kuhn zeigt, der nun Oberbürgermeister von Stuttgart ist. Im Vordergrund ist der strahlende Held zu sehen, hinter ihm dichtgedrängt Pressefritzen und die kuhnschen Anhänger, von denen drei untertänig Glückliche vorgefertigte DANKE-Plakate hochhalten. Kurz gesagt: da kam mir das Frühstück wieder hoch! Nicht etwa, daß es unwichtig ist, ob nun CDU-Spießer oder Grünen-Spießer die Macht innehaben, den Grünen nimmt man immerhin noch ab, am wenigsten korrupt und demokratiegefährdend zu sein, doch zum Klatschvieh von Machtmenschen, das war mir schon immer klar, möchte ich jedenfalls nicht gehören, was mich per se aus allen politischen Milieus ausschließt, scheint mir. (Kuhn hat sich übrigens auch mit einem herzerfrischenden DANKE bei den Wählern bedankt.) Ich habe mich auch nie, nicht einmal aus Neugierde, zu Wahlkampfveranstaltungen hinbewegt, auch nicht, als vor fünfzehn Jahren alle Joschka Fischer unbedingt goebbelsmäßig brüllend erleben wollten, um endlich den Kohl wegzuhaben. Da ging ich doch lieber zu der „Parteigründung“ des Christoph Schlingensief, das war wenigstens echtes Theater, auch wenn es nicht so aussah. Allerdings, zum Theatermilieu gehörte ich auch damals schon nicht, ebensowenig wie ins geisteswissenschaftliche Milieu, obwohl es von außen vielleicht so erscheinen mochte. Und heute? Nun, ich gehöre nicht zum Blogger-Milieu, wenn es das überhaupt gibt, womöglich aber zum Schriftstellermilieu, denn das der Schriftsteller gibt es ganz sicher – nun, denke ich mir, vielleicht bewege ich mich tatsächlich irgendwie in ihm, so jedenfalls scheint es mir manchmal. Oder täusche ich mich? Wahrscheinlich schon.

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Heerscharen von Idealisten

„Das Wissenschaftssystem ist korrupt“ – so ist heute ein Artikel in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung überschrieben. (Montag, 22. Oktober 2012, S.5.) Es geht um den Umgang der „Granden der deutschen Wissenschaft“ mit dem Doktorarbeitsplagiatsfall Annette Schavan, denn diese Granden scharen sich, so wird gesagt, hinter die Bundesbildungsministerin. Der Münchner Jura-Professor Volker Rieble vermutet hier einen Zusammenhang zwischen der staatlichen Millionenförderung der Organisationen und der Inschutznahme für Schavan; dies zeige, „wie korrupt das Wissenschaftssystem ist“. Aber hallo, denke ich da, natürlich ist das Wissenschaftssystem inzwischen korrupt, das kann jeder sehen, der ein wenig in es eintaucht. Genauso gut könnte man empört ausrufen, die Mafia ist kriminell! Natürlich ist die Mafia kriminell, das liegt in ihrem Wesen begründet. Gegen die Mafia kann man allerdings etwas tun, wenn ausreichend Mittel zur Verfügung stehen und der Wille da ist, etwas zum Besseren zu verändern, während gegen legale Systeme absolut nichts getan werden kann, wenn sie einmal korrupt sind, nicht einmal, setzte man Heerscharen von Idealisten ein, denn diese würden entweder schnell ins bestehende System integriert oder abgestoßen werden. Kann man machen nix!

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Der Stör und das Ende

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Zeichen der Zeit / D

Daseinsvorsorge

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Heute fällt mir mal nix ein …

… und das ist ja gemeinhin die beste Voraussetzung, etwas Weltbewegendes zu schreiben. In Wirklichkeit fällt mir natürlich immer was ein, doch soll ich Perlen vor die Säue werfen, das frage ich mich, das frage ich mich immer, und die Antwort ist auch immer die gleiche, nämlich ja, darum geht’s doch, Perlen vor die Säue, aus lauter Anmaßung, damit den Säuen das zuteil wird, was der Säue ist – oder so. Kann natürlich alles gegen mich verwendet werden, keine Frage, doch man sollte mir zugute halten, daß ich kürzlich meinen Roman beendet habe und nun nicht weiß, noch nicht wissen kann, ob er lebensfähig ist, oder ob er elendig verenden wird. Da bin ich natürlich angespannt, da geht mir die Lebensfreude flöten, da werden kleine Probleme zu großen und so weiter und immer so fort, es ist ein innerer Krieg, der nicht zu erklären und auch nicht zu gewinnen und bei dem auf nichts anderes zu hoffen ist als auf ein deus ex machina. Einige andere, frühere Romantexte sind nämlich jahrelang vor sich hin gestorben, die habe ich dann, bis auf einen, der im Koma liegt, also bei einem Verlag, auf Veröffentlichung wartend, alle vernichtet, ich habe ihnen den Gnadenstoß verpaßt, die Datein gelöscht, die Ausdrucke zerrissen und in die Tonne gekloppt, der Autor frißt seine Kinder, weil er es kann, weil er … tatsächlich und wirklich wahr: heute fällt mir aber auch wirklich nix ein!

  

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Nix wie es soll

Wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch, wütend wie ich bin, ein Apfelbäumchen erwürgen! Gesternabend immerhin gab es im Soda Club Lesung und Gespräch mit Alban Nikolai Herbst und Ralf Schnell, das war kurzweilig und interessant, und das bekommt man nicht so oft geboten, wie man denken könnte. Apropos denken können: es macht für mich überhaupt keinen Sinn, über meine Lage nachzudenken, denn daß ich die Hölle der Lohnarbeit kaum würde künstlerisch überleben können, weiß ich ja aus Erfahrung, so daß nur das bleibt, was ich tue, nämlich fatalistisch-optimistisch weiter meine Arbeit tun, selbst wenn das niemanden interessiert. Der Vorteil ist, ich habe von allem Anfang meines künstlerischen Tuns an gewußt, es würde schwer werden, allein schon durch all die Widersprüche, die sich in und mit diesem Tun ergeben, und ich habe immer all die Anfeindungen, die hämischen Bemerkungen und sogar die wohlverpackten Haßtiraden mit in die Arbeit hineingenommen, naturgemäß voller Wut, denn was sollte außen vorbleiben können oder dürfen, ist man künstlerisch tätig? Es gab natürlich auch nicht selten Zustimmung von Menschen, die sich beeindruckt zeigten, selbst wenn sie keinen Zugang fanden zu meinen Werken, auch das nahm ich mit hinein. Nun also das nach vier Jahren fertiggestellte Manuskript meines Romans (unbeeinflußt von Studiengängen des literarischen Schreibens, doch aufbauend auf dreißig Jahre künstlerischen Tuns), dem nun der Weg zu ebnen ist hin zur Veröffentlichung, was ganz konkret auch heißt, banale Drumherumarbeit zu verrichten, damit die, die es lesen wollen, auch die Zeit dafür haben, neben ihrem eigenen Schreiben. Mit anderen Worten, es ist hoffnungslos, denn nix ist, wie es sein soll, wenn auch nach wie vor in dunkler Nacht die Leuchtschrift leuchtet, die mir sagt: Aufgeben gildet nicht!

 

 

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