Milieufragen

Ich frage mich oft, ob ich mich in einem Milieu bewege. Ob ich einem Milieu angehöre. Und wenn ja, welchem? Die Frage kam mir heute morgen wieder mal in den Sinn, als ich das Foto in der Süddeutschen Zeitung sah, das die Siegesfeier des Grünen Fritz Kuhn zeigt, der nun Oberbürgermeister von Stuttgart ist. Im Vordergrund ist der strahlende Held zu sehen, hinter ihm dichtgedrängt Pressefritzen und die kuhnschen Anhänger, von denen drei untertänig Glückliche vorgefertigte DANKE-Plakate hochhalten. Kurz gesagt: da kam mir das Frühstück wieder hoch! Nicht etwa, daß es unwichtig ist, ob nun CDU-Spießer oder Grünen-Spießer die Macht innehaben, den Grünen nimmt man immerhin noch ab, am wenigsten korrupt und demokratiegefährdend zu sein, doch zum Klatschvieh von Machtmenschen, das war mir schon immer klar, möchte ich jedenfalls nicht gehören, was mich per se aus allen politischen Milieus ausschließt, scheint mir. (Kuhn hat sich übrigens auch mit einem herzerfrischenden DANKE bei den Wählern bedankt.) Ich habe mich auch nie, nicht einmal aus Neugierde, zu Wahlkampfveranstaltungen hinbewegt, auch nicht, als vor fünfzehn Jahren alle Joschka Fischer unbedingt goebbelsmäßig brüllend erleben wollten, um endlich den Kohl wegzuhaben. Da ging ich doch lieber zu der „Parteigründung“ des Christoph Schlingensief, das war wenigstens echtes Theater, auch wenn es nicht so aussah. Allerdings, zum Theatermilieu gehörte ich auch damals schon nicht, ebensowenig wie ins geisteswissenschaftliche Milieu, obwohl es von außen vielleicht so erscheinen mochte. Und heute? Nun, ich gehöre nicht zum Blogger-Milieu, wenn es das überhaupt gibt, womöglich aber zum Schriftstellermilieu, denn das der Schriftsteller gibt es ganz sicher – nun, denke ich mir, vielleicht bewege ich mich tatsächlich irgendwie in ihm, so jedenfalls scheint es mir manchmal. Oder täusche ich mich? Wahrscheinlich schon.

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Heerscharen von Idealisten

„Das Wissenschaftssystem ist korrupt“ – so ist heute ein Artikel in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung überschrieben. (Montag, 22. Oktober 2012, S.5.) Es geht um den Umgang der „Granden der deutschen Wissenschaft“ mit dem Doktorarbeitsplagiatsfall Annette Schavan, denn diese Granden scharen sich, so wird gesagt, hinter die Bundesbildungsministerin. Der Münchner Jura-Professor Volker Rieble vermutet hier einen Zusammenhang zwischen der staatlichen Millionenförderung der Organisationen und der Inschutznahme für Schavan; dies zeige, „wie korrupt das Wissenschaftssystem ist“. Aber hallo, denke ich da, natürlich ist das Wissenschaftssystem inzwischen korrupt, das kann jeder sehen, der ein wenig in es eintaucht. Genauso gut könnte man empört ausrufen, die Mafia ist kriminell! Natürlich ist die Mafia kriminell, das liegt in ihrem Wesen begründet. Gegen die Mafia kann man allerdings etwas tun, wenn ausreichend Mittel zur Verfügung stehen und der Wille da ist, etwas zum Besseren zu verändern, während gegen legale Systeme absolut nichts getan werden kann, wenn sie einmal korrupt sind, nicht einmal, setzte man Heerscharen von Idealisten ein, denn diese würden entweder schnell ins bestehende System integriert oder abgestoßen werden. Kann man machen nix!

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Der Stör und das Ende

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Zeichen der Zeit / D

Daseinsvorsorge

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Heute fällt mir mal nix ein …

… und das ist ja gemeinhin die beste Voraussetzung, etwas Weltbewegendes zu schreiben. In Wirklichkeit fällt mir natürlich immer was ein, doch soll ich Perlen vor die Säue werfen, das frage ich mich, das frage ich mich immer, und die Antwort ist auch immer die gleiche, nämlich ja, darum geht’s doch, Perlen vor die Säue, aus lauter Anmaßung, damit den Säuen das zuteil wird, was der Säue ist – oder so. Kann natürlich alles gegen mich verwendet werden, keine Frage, doch man sollte mir zugute halten, daß ich kürzlich meinen Roman beendet habe und nun nicht weiß, noch nicht wissen kann, ob er lebensfähig ist, oder ob er elendig verenden wird. Da bin ich natürlich angespannt, da geht mir die Lebensfreude flöten, da werden kleine Probleme zu großen und so weiter und immer so fort, es ist ein innerer Krieg, der nicht zu erklären und auch nicht zu gewinnen und bei dem auf nichts anderes zu hoffen ist als auf ein deus ex machina. Einige andere, frühere Romantexte sind nämlich jahrelang vor sich hin gestorben, die habe ich dann, bis auf einen, der im Koma liegt, also bei einem Verlag, auf Veröffentlichung wartend, alle vernichtet, ich habe ihnen den Gnadenstoß verpaßt, die Datein gelöscht, die Ausdrucke zerrissen und in die Tonne gekloppt, der Autor frißt seine Kinder, weil er es kann, weil er … tatsächlich und wirklich wahr: heute fällt mir aber auch wirklich nix ein!

  

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Nix wie es soll

Wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch, wütend wie ich bin, ein Apfelbäumchen erwürgen! Gesternabend immerhin gab es im Soda Club Lesung und Gespräch mit Alban Nikolai Herbst und Ralf Schnell, das war kurzweilig und interessant, und das bekommt man nicht so oft geboten, wie man denken könnte. Apropos denken können: es macht für mich überhaupt keinen Sinn, über meine Lage nachzudenken, denn daß ich die Hölle der Lohnarbeit kaum würde künstlerisch überleben können, weiß ich ja aus Erfahrung, so daß nur das bleibt, was ich tue, nämlich fatalistisch-optimistisch weiter meine Arbeit tun, selbst wenn das niemanden interessiert. Der Vorteil ist, ich habe von allem Anfang meines künstlerischen Tuns an gewußt, es würde schwer werden, allein schon durch all die Widersprüche, die sich in und mit diesem Tun ergeben, und ich habe immer all die Anfeindungen, die hämischen Bemerkungen und sogar die wohlverpackten Haßtiraden mit in die Arbeit hineingenommen, naturgemäß voller Wut, denn was sollte außen vorbleiben können oder dürfen, ist man künstlerisch tätig? Es gab natürlich auch nicht selten Zustimmung von Menschen, die sich beeindruckt zeigten, selbst wenn sie keinen Zugang fanden zu meinen Werken, auch das nahm ich mit hinein. Nun also das nach vier Jahren fertiggestellte Manuskript meines Romans (unbeeinflußt von Studiengängen des literarischen Schreibens, doch aufbauend auf dreißig Jahre künstlerischen Tuns), dem nun der Weg zu ebnen ist hin zur Veröffentlichung, was ganz konkret auch heißt, banale Drumherumarbeit zu verrichten, damit die, die es lesen wollen, auch die Zeit dafür haben, neben ihrem eigenen Schreiben. Mit anderen Worten, es ist hoffnungslos, denn nix ist, wie es sein soll, wenn auch nach wie vor in dunkler Nacht die Leuchtschrift leuchtet, die mir sagt: Aufgeben gildet nicht!

 

 

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Bürger oder Künstler

Bürger oder Künstler, beides zusammen geht nicht! Nicht wenige der sogenannten Romantiker haben um 1800 herum eben diese Ansicht vertreten, und zwar obwohl sich in diesen Zeiten sowohl der Bürger als auch der Künstler zu emanzipieren hatte von adligem Machtanspruch. Heutigentags ist die Macht des Adels längst übergegangen auf die Melange von besitzendem Bürgertum und den politischen Parteien, woraus sich eine Situation ergibt, die für die europäische Postdemokratie insgesamt stil- und realitätsbildend ist. Der Künstler als solcher ist naturgemäß nicht Teil dieser auf Geld und politischer Macht sich begründenden „Elite“, selbst wenn er um des schlichten Lebensunterhaltes willen und um seine Arbeit ausführen zu können Gelder annehmen muß – allerdings wird er „elitär“ werden (ohne dabei gleich auch wohlhabend zu werden), sobald er es zuläßt, daß seine Arbeit zu politischen Zwecken mißbraucht wird, denn ein freier Geist ließe das nicht zu. Eine der hieraus sich ableitenden Fragen ist, ob sich denn der Mensch nicht als Künstler begreifen kann, mit Leib und Seele Künstler sein kann, und trotzdem davon unabhängig sich als Bürger politisch engagieren könne – nun ja, denkbar ist es, wenn man denn sehr, sehr vorsichtig ist und mißtrauisch bleibt gegenüber den um politische Einflußnahme ringenden Menschen, denn am Ende zählt für diese Spezies der Künstler nichts oder dient allein dazu, ihre Paläste auszuschmücken, ihrem Wohlstand oder ihrer Ideologie ein Gesicht zu geben und so weiter. (Und man kann ja auch wunderbar Geld anlegen mittels verkaufbarer Kunstwerke!) Man kennt das. Künstlerauge, sei wachsam!

Without deviation from the norm, progress is not possible.
 (Frank Zappa)
 
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Zeichen der Zeit / F

Frotteehandtuch

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All your hard work …

Schon wieder so ein versteckter Hinweis auf die Möglichkeit, „zunächst einmal“ umsonst zu arbeiten! Wie oft soll ich das noch sagen? Nein, nein, nein, nein, nein, nein: ich will nicht! Selbst wenn sich dadurch die Chancen erhöhen, danach für Geld arbeiten zu dürfen – ich will nicht, das ist Ausbeutung, das ist Sklaverei, das ist unmoralisch und unethisch, das ist scheiße! Natürlich gibt es immer Menschen, die das trotzdem machen, und denen kann man mit dem Argument, wenn es keiner mehr täte, würde jede Arbeit bezahlt werden, nicht kommen, denn die haben ihre eigenen Argumente aus der Zeit der sogenannten Vollbeschäftigung, die fühlen sich voll im Recht. Ein so ein auf mich gemünztes Argument ist, als Künstler würde man doch im Prinzip auch meistens umsonst arbeiten und würde es trotzdem tun, worauf ich mich dann immer frage, ob Zahnärzte solch einem Vollidioten kostenlos die Fresse sanieren würden, nachdem er meiner kostenlosen Antwort seine Aufmerksamkeit schenkte. Doch so weit kommt es natürlich nicht, denn ich habe den Fernsehseriensatz „Sie entschuldigen mich“ inzwischen in mein Repertoire aufgenommen! Klappt gut.

Sie sehen schon, liebe Leser:innen, ich bin mal wieder die Ruhe selbst und mache mich nun auch wieder an meine Arbeit.

 

 

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Zeichen der Zeit / Ö

Ödnis

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