Februarbrief 2011

Ich dachte eine ganze Woche lang, es sei noch Januar. Na gut, kann ja jedem mal passieren. Und passiert ist ohnehin viel, zum Beispiel liegt kein Schnee mehr, diese weiße Scheiße, die wochenlang die ganze Stadt verstopft hat. Auf dem Land mag das Zeug ja noch ganz schön sein, in der Stadt ist es das nur, wenn’s grade frisch gefallen ist, und das ist es ja nur, wenn’s grade frisch gefallen ist, das Zeug. Sie wissen sicher, was ich meine!

Jetzt ist alles anders, also gleichsam beim „Alten“, gewissermaßen, quasi. Selbstverständlich selbstredend könnte ich bereits beim automatischen, gutbezahlten Arbeiten angelangt sein, die Chancen waren da. Nutzbar waren sie nicht, mich überkommen Motivationsaussetzer, wenn es um zu vollbringende Taten geht, die nicht mich, sondern einen Funktionierenden verlangen. Das hat keiner verdient, auch ich nicht, so daß es nun darum gehen muß, das Verdiente auch zu bekommen. Ich arbeite daran.

Hier herrscht Ruhe – hören Sie es? Himmlisch, oder. Nun gut, manchmal reiben sich Wolken aneinander, es gibt ja nicht nur die eine mit der Nr.7, und dann quietscht es, und wenn drüben die Engel gegeneinander Fußball spielen, gibt es auch schon mal Streit, so wie jetzt grade. Dabei waren sich beide Mannschaften einig, keinen Schiedsrichter zu benötigen. Brauchen wir nicht, sagten sie, wir spielen ohne Abseits und drei Ecken ein Elfmeter. Und nun liegt der Ball verwaist neben dem linken Pfosten des hinteren Tores, weil sich alle schubsen und anschreien müssen. Der Streit geht natürlich um die Frage Foul oder nicht Foul, die einen sagen ja, die anderen nein, eine Wiederholung in Zeitlupe ist technisch nicht möglich, und wenn es Zuschauer gegeben hätte, wer weiß, was nicht alles passiert wäre. Jetzt, jetzt geht’s weiter, und wie ich höre, haben sich alle geeinigt. Man fängt noch mal von vorne an, bei 0:0, ohne Schiedsrichter. Bin ich ja mal gespannt.

Wir leben in einer fürchterlichen Zeit, das Beste an ihr ist jeder für sich selbst ganz allein. Eben hier liegt das Problem.

Man sollte sich um den Minister Guttenberg keine Sorgen machen, der Apparat läuft bereits auf Hochtouren. Guttenberg, den die Betrugsaffäre um seine Doktorarbeit außerordentlich durchrüttelt, gehört so eindeutig zur „politischen Klasse“, daß es der Zivilgesellschaft schwer fallen dürfte, ihn zu Konsequenzen zu zwingen. Spätestens seit dem neuerlichen ernsten Vorfall in Afghanistan wird die Abschreibaffäre sukzessive aus dem Bewußtsein gerückt werden, dafür sorgen dann schon die Journalisten. Außerdem steht einem Juristen ein wenig Fünfe-gerade-sein-Lassen ohnehin gut an, ja ein wenig Gewitztheit erwartet der Normalbürger geradezu von einem in der Jurisprudenz Bewanderten. Und wenn nun auch noch die Kanzlerin in ihrer unnachahmlichen Art gleichsam verkündet, es gäbe Wichtigeres, als sich um Ethik und Moral in der Wissenschaft zu kümmern, bleibt nur noch ein letztes Mittel: Dr. Urban Priol übernehmen sie! Dann hat das ZDF wenigstens auch noch etwas davon. Guttenberg selbst nennt so etwas eine Win-win-Situation.

Chuzpe haben oder nicht, das ist hier die Frage. Er hat sie! Auch die Bundeskanzlerin hat sie. Nur so läßt sich offensichtlich Politik machen, was zur Folge hat, daß ein Betrüger sein Amt als Bundesminister behält, ein gewisser zu Guttenberg, einer, der verbrannte Erde hinterläßt. O Zeiten, o Sitten? Allerdings!

© und alle denkbaren Rechte weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert 2011

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