Das Schreiben von Romanen (3)

Das Wasser wird einem zuletzt abgegraben, das ist tröstlich, denn zum Schreiben eines Romans benötigt man in erster Linie Feuchtigkeit. In allen Mythologien ist das feuchte Nass gleichbedeutend mit Eros, Wollust und Fortpflanzung, mit Leben. Schön also, daß der Schriftsteller beiderlei Geschlechts hierzulande sich einfach unter den Wasserhahn hängen kann, wenn es am Notwendigsten mangelt. Eine andere Art von Feuchtigkeit findet sich im Kontakt-Biotop des Literatur-Betriebes, in dem der Wasserhahn kaum eine Bedeutung hat, eher schon der Zapfhahn und die Körperflüssigkeiten, letztere von Natur aus auf Austausch berechnet, und sei es durch das Schließen von Blutsbrüderschaften. Ich spreche natürlich vom Krieg aller gegen alle in seiner zivilisierten und die Zivilisation sichernden Form und erkenne darin zwar keinen Fortschritt, denn das war immer so, wohl aber Gegenwart und Zukunft, denn es wird immer so sein. Was ist daraus zu schließen? Nichts weiter, außer daß es lebensnotwendig ist, das Wasser nicht zu vergiften.

Das Material der Romanherstellung besteht in der deutschen Sprache aus dreißig Buchstaben, das ß selbstredend mitgerechnet, und deren Kombinationen. Einziges Ziel ist es, die höchstmögliche Qualität zu erreichen, den bestmöglichen Roman zu schreiben, nicht generell verstanden, sondern in Relation zu den eigenen Möglichkeiten. Die Heere Napoleon Bonapartes leiteten (zu Beginn) ihre Schlagkraft aus ihrer Struktur ab, denn wenn freie Bürger für ihre eigene Sache kämpfen, geht auch niemand stiften, wenn man von beiden Flanken oder gleich allen Seiten aus angreift. Der allein in eigener Sache schreibende Schriftsteller muß ähnlich strukturiert sein, um seine Schlagkraft, die Qualität seiner Schreibe und auch die Qualität seines Vorhandenseins als deren Erschaffer, grundsätzlich aufrecht erhalten zu können, er muß den „Markt“, denn den gilt es zu erobern, von allen möglichen Seiten angreifen. Und eben da steckt der Hase im Pfeffer, denn der Markt ist gar nicht in der Mitte des Geschehens und läßt sich weder von den Flanken her angreifen noch umzingeln. Der Markt ist ein fließendes Geschehen, er brandet auf und ab, in ihm die streitenden Rosse, die Verleger und Kritiker und, da war doch noch was, die Leser. Denen allen das zu verkaufen, zu „schenken“, was ihre kühnsten Träume übersteigt, wäre natürlich eine schöne Sache, neudeutsch ausgedrückt eine Win-Win-Situation. Also Wasser gesoffen und weiter im Text.

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