Das Schreiben von Romanen (8)

Im selben Dreck zu wühlen wie die Kollegen ist durchaus schweinisch, und den meisten gefällt es. Seinen eigenen Schweinekoben haben zu wollen gilt dagegen als ein wenig eigen, und das ist es auch. Ich für meinen Teil habe nur wenige Bücher von sogenannten Zeitgenossen in meiner Bibliothek, dafür umso mehr solche, die in früheren Zeiten die Zeitgenossenschaft überlebt haben und weiter lebendig sind, allein durch ihre literarische Qualität. Sie sind, pflege ich zu sagen, gut abgehangen, wie beispielsweise Achim von Arnims Roman ‚Die Kronenwächter‚, der bereits den Zeitgenossen als das gelten mußte, was heutigentags von den Marktstrategen ein historischer Roman genannt wird. Die Einleitung beginnt mit der Beschwörung der kleinsten Zeiteinheit des Literaten, nämlich mit „Wieder ein Tag vorüber in der Einsamkeit der Dichtung!“, worauf eine Klage folgt, wie gemeinhin mit den Werken des Geistes früherer Jahrhunderte umgegangen wird, indem sie nämlich entweder als unverständlich und unbrauchbar angesehen und damit aufgegeben, oder mit sinnloser Verehrung angestaunt werden. Daran hat sich seit dem frühen 19. Jahrhundert nichts geändert, obgleich die elementaren Fragen der Menschheit die selben geblieben sind und sich auch der Mensch nicht entscheidend hat verändern können in den letzten Jahrtausenden. So gesehen ist es nur natürlich, im selben Dreck wie alle zu wühlen, nur sich einpferchen lassen, das sollte durchaus nicht sein. Wie gesagt, es finden sich nicht eben viele Zeitgenossen in meiner Bücherwand.

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