Fenster zum Hof

Der Nachteil von Bäumen im Hof ist eindeutig der, daß diese nicht nur Vögel anlocken, die schön singen, sondern auch solche, die ohne Übertreibung als Lärmterroristen bezeichnet werden müssen. Wer will schon jeden Morgen um fünf aus dem Schlaf gerissen werden, abgesehen von Alban Nikolai Herbst? Oder sich Ohrproppen reindrehen? Gibt es denn keine fiesen Blagen mehr, die mit Luftgewehren auf Tiere schießen? Nicht etwa, daß ich das gut finden würde, denn so wie Kinder nunmal sind, würden sie auch die schön trillilierenden Vögel abknallen, und das kann ja nun wirklich niemand wollen. Schon absurd, bei minus 20° Grad im Winter kann man bei offenem Fenster durchratzen, im Sommer fiep-fiep-fiep’s stundenlang. Das ist natürlich ein Luxusproblem, aber solange erwachsene Spielkinder mit ihrem milliardenteuren CERN-Spielzeug spielen und ohne jeden Nutzen Atome aufeinander zujagen dürfen, kann ich mich doch wohl noch aufregen über freche Viecher! Ein Hauptproblem der Menschheit wird übrigens heute in der Süddeutschen Zeitung benannt, das die Wissenschaft wirklich ernst nehmen sollte. Dort heißt es im Streiflicht: „Frauen wünschen sich bei der Wahl des Partners, dieser werde eines Tages so sein, wie sie ihn schon immer haben wollten. Männer hoffen, ihre Begleiterin werde bleiben, wie sie einmal war.“ Kümmert sich da jemand drum? Schließlich prallen da doch auch Welten aufeinander! Doch wie sagt schon Heraklit: „Der Weg hin und her ist ein und derselbe.“ Aber er sagt auch: „Mehr als sichtbare gilt unsichtbare Harmonie.“ Wohl war. Dazu kommt noch, daß zwar das Acta-Abkommen gescheitert ist, das Problem des Schutzes von geistigem Eigentum aber bleibt, trotz des weiterhin unzensierten Internets. Naja, irgendjemand wird sich schon darum kümmern, nach der Sommerpause.

Wie kam ich drauf? Ach ja, die Scheiß-Vögel. Und Lektorats-Aufträge kommen auch nicht genug rein, außerdem ist alle Welt im Urlaub, zum Problemevergessen! Doch das versuche ich jetzt auch mal, ich mach mir noch einen Kaffee, hock mich expressionistisch auf meinen Hochhocker und lese weiter im Porträt des Künstlers als junger Mann. Vielleicht mache ich ja sogar das Fenster auf, wenngleich um 12 Uhr wieder diese schiefen Kirchenglocken die Prenzlauer Berge beschallen werden und für ein paar Minuten diese Vögel übertönen, was natürlich überhaupt nix hilft. Inzwischen leben ja ohnehin mehr Tierarten in der Stadt als im Wald, und wenn im Jahr 2025 das Ökösystem unwiderruflich umkippt, das haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, können wir sehen, wo wir bleiben. Ruhiger wird’s dann sicher nicht, doch wie sagt schon besagter Heraklit: „Wie ein wüst hingeschütteter Misthaufen ist die schönste vollkommenste Welt.“ In diesem Sinne …

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