Geschlechterkampf ums gemeinsame Glück

Die Welt ist ja voll von fürchterlichen Problemen – und immer wieder hört man von verschiedensten Menschen beiderlei Geschlechts, es fände sich nichts zum Drinverlieben und zum glücklichen Beisammensein. Manche allerdings nehmen, wenn keine erste Wahl zur Verfügung steht, einfach zweite Wahl, oder dritte, und wenn das auf Gegenseitigkeit beruht, können daraus glückliche Beziehungen entstehen. Keine Frage, ging früher doch auch, man kann ja nicht alles haben. Umfragen jedoch suggerieren gelegentlich etwas anderes, vor allem dann, wenn sie von Partneragenturen durchgeführt werden, daß es nämlich womöglich ganz und gar einseitig ein Qualitätsproblem gibt, denn die Partnersuche sei zunehmend schwierig – so jedenfalls sähen das viele alleinstehende Frauen über 40. Die Ursache sehen sie allerdings auch bei sich selbst, sie nämlich hätten heutigentags eben höhere Ansprüche und besäßen eine geringere Kompromißbereitschaft, und diesen Ansprüchen genügten viele Männer eben einfach nicht. Ha! Selten so gelacht. Natürlich nicht! Allerdings, so ein weiteres Ergebnis der Studie, seien auch viele gleichaltrige Männer schuld, die nur jüngere Frauen suchten. Wird ja immer doller! Jedoch haben Männer eben auch so ihre Ansprüche, ich meine jetzt solche Typen, die weder einen Mutterersatz suchen noch ein Devotchen, und da sieht es, meiner persönlichen, nicht ganz repräsentativen Umfrage zufolge so aus, daß Männer die zunehmende Tantenhaftigkeit bei „älteren“ Frauen eher unsexy finden, das Aufquieken beim Anblick süßer Babys menschlicher oder tierischer Art ist dafür ein recht sicheres Indiz, während sie bei jüngeren das stromlinienmäßige Angepaßtsein und das wie automatisch vor sich gehende Sprechen nun gar nicht akzeptieren können, vor allem, wenn das Letztere ohne Unterlaß per Telefon mit Mutti stattfindet. Tolle Klamotten richten da auch nichts mehr aus, weder die seidigschönen der etwas Älteren noch die rattenscharfknappen der noch Jungen.

Literat mit Sonnenbrille und Hut, Norbert W. Schlinkert

Was also tun? Woher vollfunktionsfähige Männer nehmen (können immer, auch prima zuhören, Taschen voller Geld – aber nicht zu viel, Frau hat ja selbst welches, keene Wampe, sportlich, kultiviert, gehen nie auf Pornoseiten, gutaussehend, unbedingt seriös, aber auch kuschelig und in der Lage, Fahrräder zu reparieren und überhaupt ordentlich anzupacken usw.), wenn nicht stehlen? (Eben das allerdings wird oft versucht, nur so am Rande bemerkt.) Was soll frau denn auch mit Typen anfangen, die lieber ein paar Stunden in die Kneipe gehen oder mit dem Rad oder Motorrad über Land fahren, oder noch schlimmer, mal einfach so ohne Grund und Anlaß allein sein wollen, als der Liebsten die Füße und den ganzen Rest zu küssen oder gar ihr Rad zu reparieren? Ich sehe ein, diese Kerle sind nicht leicht zu akzeptieren, bei den Ansprüchen allerdings auch kein Wunder. Aber die Männer, das gebe ich zu bedenken, müssen angesichts ihrer Ansprüche die Frau der Wahl betreffend, intelligent, humorvoll, gebildet, gutaussehend usw., ja schließlich auch oft Abstriche machen (nicht zuletzt wegen der bei Frauen stärker als bei Männern verbreiteten Humorlosigkeit), oder müßten, wenn es keine Dinge gäbe, die das Leben angenehm machen können auch ohne Missesperfect. Sagen wir es ganz deutlich: die Frau hat ihr Alleinstellungsmerkmal verloren, was immer das gewesen sein mag, und der Mann wahrscheinlich auch. Also immer locker bleiben, ohne gleich zappelig zu werden. Dann wird alles gut.

Weißer Rauch, Norbert W. Schlinkert

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18 Responses to Geschlechterkampf ums gemeinsame Glück

  1. phyllis sagt:

    Leichter gesagt, als getan: beim Lesen Ihres Beitrags nicht zappelig zu werden. Allein das „vollfunktionsfähig“ jagt mir schon Schauer über den Rücken! Wie gut, dass ich bereits vor Jahren die Flucht nach vorn angetreten habe. Let’s be tainted!

  2. Ich bekomme es in meinem Umfeld hier und da mit: die Ökonomisierung des Partner:innen-Marktes hat zu einer Art Versachlichung der Suche nach einem Lebenspartner geführt. Imgrunde geht es zu wie bei der Suche nach einem Gebrauchtwagen: Anzahl der Vorbesitzer, PS, Drehmoment, Rost oder kein Rost, sind Reparaturen zu erwarten, handelt es sich um gepflegtes Fahrzeug, wie hoch ist der Verbrauch, Oldtimer oder nicht, kann man damit angeben, in Urlaub fahren, mal so richtig geil durch die Gegend rasen, ist der Preis angemessen und so weiter. Bei Nichtgefallen wird die Kiste zurückgegeben oder weiterverkauft. Frau Sibylle vom Spiegel ist übrigens der Ansicht, gegen Kapitalismus helfe nur die Liebe, auch die im nichtpartnerlichen Sinne. Aber egal, Hauptsache: HILFE!

  3. phyllis sagt:

    Was für ein Schlamassel! Aber vielleicht hülfe schon, etwas weniger grimmig zu gucken als auf dem obigen Bild (?)
    Killekille! : )

  4. Grimmig gucken ist eine prima Möglichkeit, sich wenn nötig diese Marktteilnehmerinnen und auch andere unerwünschte Zeitgenossen vom Hals zu halten. Ansonsten bin ich charmant wie eh und je, wenn auch nicht kitzelig.

  5. derdilettant sagt:

    Verzeihung wenn ich mich da einmische – der kecke Hut entlarvt doch die grimmige Fassade als solche. Ich vermute, dieser Herr lässt sich ganz leicht aufschließen (Kitzeln ist da schon mal ein guter Ansatz) 🙂

  6. Da rennen Sie offene Türen ein, denn naturgemäß bin ich der ungrimmigste Mensch, den ich kenne. Wenn ich mal lachen will, lasse ich mir einfach irgendetwas einfallen, das ich noch nicht kannte, irgendeinen Spruch, so wie letztens den hier – Keine gute Idee: sich einen Waschbär zulegen, damit der einem die Wäsche macht. (räusper)

  7. derdilettant sagt:

    Natürlich spare ich mir an dieser Stelle den Humorbeförderer Herr G. erneut ins Spiel zu bringen. Aber was das Dating-Business anbelangt, so ist es auch hier wie mit allem im Leben: es ist stets das, was man selber daraus macht. Die Umstände freilich lassen sich immer gerne in Haft nehmen, wo es doch oft reichte, einmal vor der eigenen Türe ordentlich zu kehren… Hugh.

  8. Ich als grimmiger Außenbeobachter des Dating-Business muß Ihnen recht geben, denn immerhin 60 % der mir bekannten Teilnehmer haben, Stand jetzt, das Klassenziel erreicht, während die, die noch auf der Jagd sind, wohl wirklich erst einmal vor dem eigenen Zelt fegen sollten, bevor sie auch nur daran denken, sich die nächste Kerbe in den Griff ihres Messers zu schnitzen.

  9. derdilettant sagt:

    och, schade – ich dachte Sie mischen selber kräftig mit…

  10. Im Gegenteil, ich nerve alle mir bekannten Teilnehmer mit dem grimmigen Vorwurf, bar jeder Romantik zu sein – das gibt dann immer böses Blut, besonders bei den Kontrollfreaks.

  11. derdilettant sagt:

    Sie können sich garnicht vorstellen, wie romantisch das Dating-Business sein kann…

  12. Ich könnte es mir vorstellen können, allein: ich will nicht!

  13. derdilettant sagt:

    Beharrungsvermögen ist sicher eine nicht zu verachtende Qualität im Leben.

  14. Ich würde mal sagen, Beharrungsvermögen ist das A und O, jedenfalls so lange man nicht zwangsgestört ist, aber dann wäre es ja auch kein Vermögen.

  15. phyllis sagt:

    Beharren und Einräumen können – damit fängt [man / (die Redaktion)] fast alle.

  16. Wenn Sie mit Einräumen das Platzeinräumen für berechtigte Interessen anderer Menschen meinen, gebe ich ihnen recht!

  17. phyllis sagt:

    Nichts anderes hätte ich meinen können – so gut kennen wir uns doch inzwischen!

    (Das fehlende „man“ in meinem letzten Kommentar stört mich mehr als gedacht – muss mich unbedingt besser konzentrieren, *schnauf*)

  18. Klar weiß ich, was Sie meinen – aber hier lesen ja noch andere mit, gelegentlich jedenfalls. (Hoffe ich zumindest!)