Die Wiederholung

„Nein, nein, Ihre Ohren sind völlig in Ordnung, Sie hören nur nicht mehr richtig hin. Aber das ist normal in Ihrem Alter.“

„Weil sich alles wiederholt?“

„Sie müssen lernen, die Wiederholung zu lieben! Die Wiederholung lieben lernen!, das sagen Sie sich jetzt erst einmal so lange selbst vor, bis Sie es nicht mehr hören können. Dann sind Sie geheilt.“

„Das ist doch absurd.“

„Was sagten Sie?“

Die Wiederholung lieben lernen!

„Was?“

Polaroid 12 Norbert W. Schlinkert

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18 Antworten auf Die Wiederholung

  1. Iris sagt:

    Hören Sie?: Ich finde ja, dass man, wenn man ganz genau hinhört, die minimalen Abweichungen in jeder einzelnen Wiederholung bemerkt.

  2. derdilettant sagt:

    Ohne Wiederholung ist alles nix. Keine Struktur, kein Ohrwurm, keine Vorfreude, kein Rhythmus. Kein Thomas Bernhard, kein Minimal Techno. Chaos. Aber wenn Ihre Ohren nachlassen, Herr Schlinkert, dann hören sie inniger! 🙂

  3. @Iris
    Abweichungen in der Wiederholung? – das kommt einem nur so vor, weil man selbst älter wird, denn ausgerechnet in dieser Angelegenheit klappt da was nicht. Andererseits hockt ja grad der Mensch in dieser kleinen Kerbe im ewigen Wiederholen, im ewigen Kreislauf des Immergleichen und versucht ständig, sich das (die, den) Schöne(n) von gestern wieder zu holen, so im Sinne Kierkegaards, der das erste Verliebtsein zurück haben will (und dafür, literarisch, Böses tut).

  4. @derdilettant
    Nix jedenfalls ist nicht wiederholbar, das scheint mir dann doch sicher zu sein 😉 Ob ansonsten Wiederholung funktioniert, vom Rhythmus mal abgesehen, nee, glaub ich nicht, ist alles eine Illusion der menschengemachten Zeit – wenngleich es hilft, mal kurz wegzuhören oder einfach mal was zu vergessen, am besten ganze Bücher, um sie noch mal zu lesen, oder auch zum Beispiel kaputtgegangene Beziehungen, so wie das in dem unterschätzten Film Vergiss mein nicht! praktiziert wird. Da führt die Wiederholung allerdings zu Mut und Erkenntnis, und so soll es ja auch sein!

  5. Iris sagt:

    @Norbert
    Die Zeit bzw. unser Lebensweg ist in meinen Augen ein Möbiusband. Wir kommen immer wieder an denselben Stellen vorbei, sind dann aber selbst jeweils nicht mehr dieselben. Weil älter, weiser (haha!), trauriger, fröhlicher, desillusionierter, gleichgültiger, aufmerksamer, hellhöriger, schwerhöriger … Und wie wollen wir beweisen, dass diese selben Stellen tatsächlich unverändert sind? Vielleicht unterliegen auch sie irgendeinem Einfluss.Unsere Erinnerung trügt doch. Immer.

    Und ja, davon abgesehen bin natürlich auch ich für manches taub. Kann es einfach nicht mehr hören. Ermahnungen und leere Versprechen, sämtliche Plattitüden gehören in diese Kategorie, welche man ja bereits als Kind errichtet, da braucht man nicht erst in ein gewisses Alter mit nachlassendem Gehör kommen.

  6. Iris sagt:

    (Ja! Der Film ist großartig. Ich schrieb auch schon mal drüber. http://iris-bluetenblaetter.blogspot.de/2012/07/eternal-sunshine-of-spotless-mind.html
    Könnte ihn eigentlich mal wieder schauen, hm, vielleicht jetzt gleich, hab ja frei heute nachmittag … Und die schöne Filmmusik, nicht wahr? Wird mir nie langweilig bei, kann alles bestens und immer wieder hören …)

  7. @Iris
    Da ist schon was dran, an Ihrer Sache mit dem Möbiusband. Weiser wird natürlich niemand, ja vielleicht sind Fehler aber das, was (leider) am ehesten in die Kategorie Wiederholung fällt. Ich denke immer, verändern werde ich mich nicht mehr, aber verbessern könnte ich mich, bzw. ich muß! es auf jeden Fall versuchen. Schlimm finde ich es, wenn Wiederholungen (etwa im Berufsalltag) dazu führen, daß Menschen zynisch werden. Da renn ich dann immer schreiend weg 😉

    Viel Spaß beim Filmgucken!

  8. Iris sagt:

    Zynismus, ja, schlimm, oft geboren aus resignierter Routine und aus Trägheit …
    Aber jetzt muss ich Film gucken. Nur noch schnell die Wäsche …

    Danke, und Ihnen (und auch Ihnen, lieber Herr Dilettant!) noch einen schönen Abend! 🙂

  9. derdilettant sagt:

    Danke Ihnen beiden für den Filmtipp, muss ich mir unbedingt mal zu Gemüte führen. Den Song in der Version von Beck dazu kenne ich bereits, und er ist so traurig-tröstlich-schön, dass ich jedesmal losheulen könnte wenn ich ihn höre…

  10. Das ist definitiv ein Winterfilm, oder sogar ein Zwischen-den-Jahren-Film, vor allem natürlich für beziehungserfahrene Menschen!

  11. derdilettant sagt:

    Erfahrungen kann man ja in e i n e r sehr langen, oder m e h r e r e n kürzeren Beziehungen machen. Ich vermute, Sie beziehen sich auf letzteres?

  12. Sie werden’s nicht glauben, aber ich beziehe mich sowohl auf lange als auch auf kurze Beziehungen, denn der Film thematisiert ja die Gefahr, es sich durch Vergessen einfach zu machen, vermeintlich, und zwar wenn was zuende ist, was auch mit welcher Dauer auch immer. Der Film ist übrigens einer von denen, die man auch meiner Ansicht nach immer mal wieder sehen kann.

  13. Iris sagt:

    So. Ein schöner Film. So ein schöner Film. *seufz* (kein kitschig-sentimentales *seufz*, sondern eins der realen Tragik von Beziehungsleben angemessenes). Gerade zum zagsten Mal geschaut und gedacht: Wie neu-vertraut! Immer noch derselbe Film wie schon vor Jahren, aber in- und auswendig kenne ich ihn immer noch nicht. Es wiederholt sich, sowohl, was ich sehe, als auch, was ich dabei denke und empfinde, aber es findet erstens jedesmal eine erneute Vertiefung dieser mit der Zeit verblassenden Gedanken statt und kommen zweitens auch neue Gedanken(erweiterungen) hinzu. Wiederholungen sind wichtig!

    Meine Empfehlung: Schauen Sie den bald mal, Herr Dilettant! Und Sie vielleicht mal wieder, Herr Schlinkert.

  14. Iris sagt:

    (zum Zigsten Male, natürlich)

  15. @Iris
    Alle zwei Jahr sehe ich mir den schon an, mindestens. Und Sie haben recht, es ist nie so ganz genau der selbe Film! (Ich hab überhaupt fast nur Filme hier auf DVD, die man wiederholt gucken kann, 8 Frauen, nothing personal, Populärmusik aus Vittula, Merida, Tanz der Vampire, Die Träumer, Lars und die Frauen, Little Miss Sunshine, Dead Man, Fargo, Wilde Erdbeeren, Fanny und Alexander, The Straight Story, American Beauty, Drei Farben Rot, Adams Äpfel, Was nützt die Liebe in Gedanken, Harald and Maude, Das Leben der Bohème, Nostalghia, Manche mögen’s heiß, Sterben für Anfänger, La dolce vita, Das Leben des Brian …)

  16. derdilettant sagt:

    @ Iris
    Für mein nächstes FiKlaLüSchlieProWo* ist er definitiv gesetzt!

  17. derdilettant sagt:

    * Filmklassikerlückenschließprogrammwochenende

  18. @derdilettant
    Das werden Sie nicht bereuen – ich hab den Film (glaub ich) vier x gesehen, er ist bestens synchronisiert, ein paar Szenen sehe ich mir aber immer noch mal im Original an. Übrigens: hätte man mich nach wiederholtem Ansehen nach der Musik gefragt: die ist mir nie aufgefallen bei dem Film.

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