Vom Fleck weg!

Letztens fiel mir, durchaus nicht zufällig, Peter Rühmkorfs Büchlein Kleine Fleckenkunde in die Hände. Zu einem seiner Klappdrucke schreibt er:

Wer hierzulande Flecken hinterläßt
gilt gleich als Schwein.
Wer einen Klecks in eine Ordnung preßt
kann schon ein Künstler sein.

Wie wahr! Hier ein Versuch meinerseits!

norbert-w-schlinkert-klappdruck-wombart

Norbert W. Schlinkert: Klappdruck Wombart

PS: Wombat schön und gut, so sehe ich das; allerdings wurde mir nach Begutachtung des Klappdrucks eine Geschichte zu Gehör gebracht, die mit einem Büro nach Feierabend und einem Kopierer zu tun hat, aus der obiges Bild ebenso gut hätte entstehen können. Nein, sage ich, nein; es war der Wombat, der aus der Schwärze des Tintenfasses ans Licht strebte!

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | 2 Kommentare

Im Wesen nichts Neues

Im Dashboard dieser meiner Website gibt es eine Ecke rechts oben für den schnellen Entwurf. Ratzfatz soll das gehen, dabei dauert es kaum drei Sekunden länger, einen regulären Beitragsentwurf zu beginnen. In der Schneller-Entwurf-Ecke steht übrigens der Satz: Was beschäftigt dich? Da regt mich ja die Frage schon auf! Heißen muss es doch: Mit was beschäftige ich mich!? Ich! Beschäftigt zu werden lehne ich weitgehend ab, es sei denn es dient der Erlangung angemessener Finanzmittel, die der partiellen Befreiung von eben dieser von außen kommenden Beschäftigungsaufforderung dienen und mir meine eigene Arbeit zu verfertigen ermöglichen. Die Frage selbst ist außerhalb der genannten Ecke natürlich berechtigt, keine Frage, doch mir kommt es eben auf die Wechselwirkung an, ich und die Welt, die Welt und ich, die Welt in mir, ich in der Welt und nicht zuletzt die Welt in der Welt und umgekehrt. Aus all dem folgt folgerichtig, dass auch ich meine Mitmenschen nicht beschäftigen möchte, denn die sollen sich gefälligst aus freien Stücken mit mir, nee, Quatsch, halt!, mit dem von mir zu Papier Gebrachten beschäftigen – oder es lassen. Wer bis hierher las, kann nicht mehr guten Gewissens sagen, er oder sie tue dies, das Lesen des von mir zu Papier Gebrachten nämlich, mitnichten, wer nicht bis hierher las, ist der Frage ohnehin schlechterdings enthoben.

samuel-beckett

Wissen Sie, was ich denke? Natürlich nicht, aber ich sage es Ihnen. Ich denke, dass das gesamte irische Volk ganz offensichtlich dauerhaft den Preis dafür zu zahlen hat, dass die irische Literatur alltäglich absurde, komische und tragische Charaktere zu Hauf beherbergt, ganz im Gegensatz zur deutschsprachigen Literatur, in der die letzten wirklich gandenlos komischen, absurden und tragischen Charaktere von E.T.A. Hoffmann und Jean Paul geschaffen wurden, vor zweihundert Jahren! Und wer liest heutzutage noch Jean Paul oder Hoffmann? Im Gegensatz zum gefälligen Goethe muss der Lesende nämlich sich damals wie heute ordentlich durch die Texte ackern, was ja nur gerecht ist angesichts des immensen Aufwandes, den so ein richtiger Schriftsteller zu erbringen hat. Doch was heißt schon gerecht?

dscn2274

Aber zurück zum irischen Volk, das eben nicht so deutsch-langweilige Literatur, sondern spritzig-witzige Texte quasi sein Eigen nennen darf (von James Joyce über Samuel Beckett, Flann O’Brien oder auch Máirtin Ó Cadhain, um nur einige zu nennen), dafür aber auch für immer in diesen Büchern gleichsam zu existieren hat. Enthebt die Iren natürlich der Pflicht, die Bücher zu lesen. Eine der wenigen deutschsprachigen Beiträge zur nichtzwingendrealistischen Literatur sind Robert Walser, Franz Kafka, Alfred Döblin, na schaumaleinerkuck, da fallen mir ja so ad hoc doch einige ein, vergessen Sie, was ich da oben geschrieben habe, alles Nonsens, wenngleich ich nach wie vor nur sehr selten sehr gute deutschsprachige Literatur ausfindig mache, ja, mein Gott, das mag auch an mir liegen, nehm ichs eben auf meine Kappe, ich bins der keine Ahnung und den Zug der Zeit verpasst hat, aber wottschällz, schreibe ich mir meine Texte eben selbst, denn das isses ja, was der Schriftsteller tut, sich selbst seine Texte (zu) schreiben, anstatt sich von der Literaturindustrie die Lebenszeit stehlen zu lassen. So, das denke ich. Läse überhaupt jemand bis zu diesem Punkt meiner Ausführungen, wäre dieser Jemand sicher schwer beleidigt ob dieser meiner Ausführungen und in den darin enthaltenen Leserbeschimpfungen, was ja immerhin ein Anfang wäre, so ganz am Ende. So long … fellows! 

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dritter Zwischenbericht Amphitryon-Roman oder: der Punkt ohne Namen

Natürlich muss man als Autor eines Romans Opfer bringen, was denken Sie denn? Jeder Beruf fordert seine Opfer, mal ist es die Jugend, die geopfert sein will, die Gesundheit, das eigenständige Denkvermögen, die sogenannten besten Jahre, oftmals all dies zusammen – oder auch, am schlimmsten, die eigene, persönliche Freiheit. Letztgenanntes nicht in dem schlichten Sinne natürlich, wie es unser Bundespräsident Joachim Gauck versteht, mitnichten, sondern in einem umfassenderen. Nicht nur, sehr vereinfacht gesagt, Freiheit von, sondern auch Freiheit für. Beides also, und zwar in einer Weise, die man sich weder schenken noch gewähren noch befehlen lassen kann, sondern sich nehmen muss. Aber ich will niemanden überfordern, so ein schöner Glaube an Was-auch-immer (Gott, das Gute, das Schöne, die Demokratie, die Popmusik, gesundes Essen usw.) geht natürlich auch, ich wünsche viel Freude dabei. Doch das soll nicht mein Thema sein, sondern das Gestalten des Lebens durch die ebenso faszinierende wie schrecklichfürchterliche Angelegenheit des Schreibens von Literatur, also des stimmigen Erfindens von Welten, die die LeserInnen lesend mitgestalten, um geistestätig in ihr zu leben. Warum schreibt ein Mensch also Geschichten? Meine Antwort: ich sitze hier und kann nicht anders. Eine andere: ich kann nichts anderes. Eine weitere: es gewährt mir eine Wahl zwischen der mir zugehörigen sogenannten realen Welt und einer von mir gestalteten. Und: das literarische Schreiben braucht als seine Grundlage das Handwerk des Schreibens; auch das Handwerkliche im eigentlichen Sinne des Begriffs ist dem Menschen etwas Grundsätzliches. – Mein Roman, danke der Nachfrage, geht übrigens recht gut voran, was sich allein daran ablesen lässt, dass dieser bestimmte Punkt überschritten ist, der meines Wissens nach keinen Namen hat, sich aber dadurch zeigt, dass ein Weiterschreiben ab diesem nun nicht mehr möglich ist, nachdem man den bereits geschriebenen Text noch einmal gelesen hat. Spätestens hier sind alle poetischen Ichs autonom, müssen es sein, und der Autor ist ein Getriebener, der in seiner Welt rastlos tätig zu sein hat, immer in Konflikte verwickelt, immer zweifelnd und immer sein Bestes gebend. Man könnte auch sagen, dass das Schreiben von Literatur so etwas wie gelebter Glaube ist, der aber nicht von außen, sondern aus dem Innen kommt. Dazu ein Zitat, mit dem ich meinen kleinen Beitrag beenden möchte:

„Die Fantasie setzt die künftige Welt entweder in die Höhe, oder in die Tiefe, oder in die Metempsychose [Reinkarnation] zu uns. Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unsers Geistes kennen wir nicht. – Nach Innen geht der geheimnißvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft. Die Außenwelt ist die Schattenwelt, sie wirft ihren Schatten in das Lichtreich. Jetzt scheint es uns freylich innerlich so dunkel, einsam, gestaltlos, aber wie ganz anders wird es uns dünken, wenn diese Verfinsterung vorbey, und der Schattenkörper hinweggerückt ist. Wir werden mehr genießen als je, denn unser Geist hat entbehrt.“ (Novalis: Blüthenstaub. Nr.16.)

 >>> Zweiter Zwischenbericht Amphitryon-Roman

>>> Erster Zwischenbericht Amphitryon-Roman

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Junge Literatinnen aus dem Literaturlabor

Ein Bildschirmfoto (siehe unten) bringt an den Tag, was die Gewieften unter den noch jungen männlichen Schriftstellern (und die alten sowieso) schon lange wissen, dass nämlich die sehr junge weibliche Konkurrenz aus den Literaturlaboren der deutschsprachigen Welt mehr ist als nur Mitstreiter auf dem Markt dort draußen – denn nicht nur der jungen Damen literarische Produkte sind marktwirtschaftlich optimiert und an die Bedürnisse der Käuferschaft angepasst, was ja für die sehr jungen männlichen Darsteller ebenso gilt, sondern auch die äußere weibliche Erscheinung ist in all ihren Facetten, wie man sieht, passgenau zugeschnitten, auch wenn, aber das mag wohl Absicht sein, die eine von der anderen nicht so einfach zu unterscheiden ist. Während also der männliche Autor, der etwas auf sich hält, sein Äußeres lange, lange Jahre sukzessive zu pflegen hat, je nach Typ mit Sport, Sorgen, Alkohol, Drogen und so weiter, kommen die jungen Autorinnen schon fertig gefönt und gestylt auf die Bühne. Chapeau, kann man da nur sagen. Männlichen noch ganz jungen Schriftstellern bleibt dagegen nur, so schnell wie möglich ein Strich in der Landschaft zu werden, sich einen wüsten Vollbart wachsen zu lassen und den Leserinnen unter der Leserschaft schöne übergroße Glubschaugen zu machen. Und irgendwelche Bücher zu schreiben, klar, aber das versteht sich ja von selbst.

junge-literatinnen-aus-dem-literaturlabor-zeit-de-21-09-16

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Zweiter Zwischenbericht Amphitryon-Roman oder: Der Wachtmeister

Das zweite Kapitel meines inarbeitsichbefindlichen Romans ist mehr noch als das erste darauf angelegt, Knoten zu kreieren, aus denen sich Erzählstränge entwickeln können. Ist der Knoten zu fest gezurrt, bleibt er ein Knoten, ist er zu locker gebunden, fällt er tot auseinander. Allerdings, da müssen Sie sich als Leser keine Sorgen machen, verstehe ich mein Handwerk. Ergo denke ich mal, die Knoten der Geschichte sind perfekt geschnürrt, auch wenn man natürlich nie wissen kann, wie sich die Teile einer Geschichte entwickeln, die man als Schreibender nicht ganz im Griff haben kann und darf, Stichwort poetisches Ich. Andererseits macht das Unberechenbare eine Geschichte erst wirklich aus, das sollte man nie vergessen – auch und besonders nicht in Zeiten des kulturellen Niedergangs, denn oft entstehen in solchen ganz besondere Werke, nicht selten aus einer Verzweiflung heraus, die sonst nirgends Platz findet.

Spinne am Abend, Norbert W. Schlinkert

Solch ein besonderes Werk zu schreiben habe ich natürlich schon vor, das ist volle Absicht, für mittelmäßige Aufgaben kann ich mich nicht begeistern, dazu fehlt mir dieses protestantische Fleißgen, mit dessen Hilfe man ja auch Sinnloses, Schädliches und sogar Tödliches herstellen kann, ohne im geringsten sein Gewissen damit zu belasten. Nix für mich! Aber das nur am Rande. Der Wachmeister, der schon auf der allerersten Seite des Romans vor der Tür des Ich-Erzählers steht, ist übrigens weder fleißig noch sehr auskunftsfreudig, aber ich bin guter Dinge, dass er sich im Laufe des Romans schon noch befleißigen wird, uns diese Sache mit der Schneise im Wald, der Säge und dem Fuß und auch das mit dem Baum zu erzählen, der sich auf die falsche Seite fallen ließ. Ich jedenfalls bin gespannt!

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Erster Zwischenbericht Amphitryon-Roman oder: Aussicht auf Überforderung

… was gibt es da schon zwischenzuberichten, gute 40 Seiten Text des Amphitryon-Romans sind erst einmal als vorhanden anzumerken. Kein Grund zu verzweifeln, es sei denn ich käme mit mir selbst auf die Umstände zu sprechen, Vollruinierung der Finanzlage, Kaputtmachung allermeiner Zukunft und so weiter. Geschenkt! Interessant aber, dass zurzeit (also jetzt) imgrunde alle meine mir bekannten SchriftstellerInnenKollegInnen alles daran setzen, einen auf die Erwartungen und damit Fähigkeiten der heutigen LeserInnenschaft ausgerichteten Romantext zu schreiben. Keine Überforderung. Nirgends. Dabei bin ich persönlich früher gerne überfordert worden und werde es immer noch gerne mal lesend, weil sonst lesend nicht viel passiert, hübsche Bilder, hahaha, gruselgruselgrusel, mitleidenmitleidenmitleiden, EndeEndeEnde, Buch zu, Unterhaltung tot, Nachwirkung keine, neues Buch. Oder Facebook. Oder Netflix, neue Serie. Demder LeserIn darf man da natürlich keinen Vorwurf machen, Leben schwer genug, Blagen machen Arbeit, kosten Geld und Nerven, Kollegen ebenso, von diesen Chefs und Vorgesetzten mal ganz abgesehen, allesvielvielzuviel, wenn es wenigstens die Drogen zum Runterkommen auf Rezept gäbe, selbst für die muss man noch zahlen von seinem kargen Gehalte, wo doch die vierwöchige Klassenfahrt vom Sohnemann und der Tochterfrau nach Argentinien schon ruinös genug ist. Lesen also, eine anstrengende Droge, die zwar zunächst einmal preiswert erscheint, dann aber viel Zeit, Nerven und Anstrengung erfordert. Nein, danke! Es sei denn, das Zeugs ist so, wie gewünscht, für die Schwerleser gibt es schließlich die klassische Moderne und Publikumsbeschimpfung geht gar nicht mehr. Merken! Also: mein Roman wächst mühsam Zeile für Zeile, soll am Ende (wenn fertig) beim Lesen das Bewusstsein ebendesselben aber ganz und gar nicht erzeugen, sondern wie jede andere gute Droge auch aus der Realität heraus und in eine erregend neue hineinführen. Darauf kommt es an. Auch merken! Macht natürlich sehr viel Arbeit, kostet Geld und Nerven und überfordert mich oft genug, ansonsten ich aber nicht einen Finger krümmte und das verehrte Publikum um was gebracht würde, daswas dann eines Tages das Licht der Welt erblicken wird. Ergo: weiter im Text …

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Das Rauschen danach oder: warum ich meine Facebook-Freunde aufgeben muss, obwohl ich gar nicht bei Facebook bin

Dieser kleine Beitrag wird keine Ressonanz finden, also sollte ich mir damit entweder besondere Mühe geben oder gar keine. Ich werfe eine Münze, Kopf!, und entscheide, dass das bedeutet, mir keine Mühe geben zu müssen. Tue ich auch nicht. Was ich eigentlich nur sagen wollte ist, dass es in der kleinen Gemeinde der literarischen Weblogs in früheren Zeiten eine Vielzahl selbstorganisierter Diskussionen zu allen möglichen und unmöglichen (literarischen) Themen gegeben hat, die angeblich, so sagt man mir, nun zum großen Teil auf Facebook stattfinden. Tun sie das? Nun, da ich Facebook für außerdordentlich gefährlich halte (ungefähr deswegen: siehe hier und da), dies aber wohl nur auf Facebook zu diskutieren wäre, beende ich hier mal einfach meine kleine (imgrunde gar nicht statthabende) Rückschau auf frühere, andere Zeiten, in denen es diese besagten selbstorganisierten Diskussionen gab, die durchaus mehr waren als die Lieferung von Datenmaterial zu Kommerz- und Werbezwecken, die in sich geschlossen sein konnten und somit weniger flüchtig, Voraussetzung mithin, einen darauf sich stützenden werthaltigen, weiterführenden Diskurs überhaupt erst einmal lostreten zu können. Aber das ist nur meine Ansicht dazu, die ich durchaus nicht zur Diskussion stelle. Ergo stelle ich einfach nur fest, dass es geschafft ist, nämlich sich die Form des Umgangs miteinander von einem durch und durch kommerziellen, um demokratische Werte sich nur des Gewinns wegen kümmernden Weltkonzern aufoktroyieren zu lassen – einiger kleiner Vorteile wegen, weil es praktisch ist und leicht handhabbar und so weiter. Ein Armutszeugnis ist das und fast schon das Ende jeglichen Einflusses des Wortes im Internet, denn es wird nun nicht mehr als ein ewiges Blabla sein und in nicht allzu ferner Zukunft dann ein Übermaß an Videofilmchen, in denen das Blabla sinnigerweise zumeist aus dem Off kommen wird. Tja, das haben wir super hingekriegt, Leute, das mit dem Wort und der Literatur und dem Internet. Was bleibt ist das Rauschen danach. (Und vielleicht diese gedruckten Bücher! So viel Hoffnung muss schon sein, zuletzt!)

Polaroid 4 (Ausschnitt,NB) Norbert W. Schlinkert

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Kill your darlings! But don’t kill Volksbühne

kill-your-darlings-volksbu%cc%88hne

===>>>

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Uns geht’s zu gut!

Der Offenbarungseid, den die US-Amerikaner mittels ihrer Fernsehserien seit je her gegenüber der Welt leisten, steht in deutschen Landen noch aus. Sie wissen schon, was ich meine, denn nicht selten kämpfen in diesen Serien Einzelne illegal für ihre Familie (family ist sicher das meistverwendete Wort in us-amerikanischen Drama-Serien, noch vor fuck), und zwar einfach deswegen, weil sie ihr Recht mangels Vertretung nicht durchsetzen können; es fehlt an Geld oder auch schlicht an so etwas wie einem funktionierenden Krankenversicherungssystem. So ist der Bösewicht zwar ein schlechter Mensch und verantwortlich für Tod und Unglück anderer, weiß aber immerhin die Kernhülle seiner selbst und damit auch sich als Individuum zu schützen. Das ist sympathisch und man würde es selbst genau so machen, dazu muss man nicht mal Mutter sein, was man als Mann ja sowieso nicht sein kann. Er oder sie gerät also in Konflikt mit dem Staatswesen, David gegen Goliath, weil dieses Wesen, das sich Staat nennt, seinen Pflichten nicht nachgekommen ist, nämlich dem Schutz aller seiner Bürger. Man kann das freie Marktwirtschaft nennen oder Neoliberalimus oder den Lauf der Natur, darauf kommt es nicht an. Diese Wirklichkeit – dass nämlich als schützende Hülle des Individuums heutigenstags eher nur noch die Familie wahrgenommen wird (oder der Clan, die Bande, die Genossen, die Stammesbrüder) und nicht mehr eine große, vielgestalte Gemeinschaft – aber sollte zumindest ernsthaft und unterhaltsam erzählerisch gestaltet werden, ganz gleich in welchem Medium, Film, Theater, Literatur, damit die Sache selbst den Menschen vor Augen geführt und somit spruchreif wird. Damit ein Diskurs entstehen kann. Hermann Broch tat dies, nämlich die dringendsten Probleme der eigenen (damaligen) Gesellschaft zur Sprache zu bringen, mit seiner Romantrilogie Die Schlafwandler, Thomas Mann schrieb den Zauberberg, Robert Musil seinen Mann ohne Eigenschaften und Alfred Döblin Berlin Alexanderplatz – aber kann man überhaupt, die Frage stellt sich, den Menschen heutigentags noch das Lesen dicker, ernsthafter und anspruchsvoll geschriebener Romane zumuten? Natürlich nicht. Auch zu bedenken ist, dass die angesprochenen us-amerikanischen Serien ja innerhalb des Systems funktionieren müssen, also ordentlich Geld einzuspielen haben, was aber nicht als Manko, sondern als Gestaltungsfreiheit begriffen werden muss, die in den besseren Fällen dazu führt, Anspruch und Unterhaltung zusammenzuführen zu einem schönen und zum Selberdenken anregenden Produkt. Ist das in Deutschland möglich angesichts eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, einer schalen Großverlagslandschaft, in der studierte Diplomidioten ihre spießigen Vorstellungen von Kunst und Kultur durchzusetzen wissen? Nein, das ist nicht möglich, da sind uns die US-Amerikaner einfach weit voraus, einfach weil dort drüben vieles so richtig scheiße ist. Und woraus sprießt Kunst gemeinhin am besten? Richtig! Also warten wir’s ab, besser wird’s nicht werden.

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Die Volksbühne wird zum Hallenbad? So ähnlich! Es sei denn …

Was soll ich hier lange Reden schwingen: Lesen Sie den Offenen Brief der Mitarbeiter der Volksbühne an die Parteien im Abgeordnetenhaus von Berlin, und wenn Sie damit d’accord gehen, unterschreiben Sie hier.

 

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar