Schreibhemmung

Ich habe im Moment so eine Art Schreibhemmung – echt wahr!, selbst wenn das nicht dienlich sein sollte. Allerdings liegt das nur daran, daß es (Achtung: Leser:innenbeschimpfung!) nach wie vor zu wenig Leser und auch (Obacht!) Leserinnen gibt, die willens und in der Lage sind, der publikumsnächsten Kunstform, der Literatur, mit der nötigen Aufmerksamkeit, Konzentration und Strenge entgegenzutreten, auf daß sie im Lesevorgang gelinge. Lesen ist nicht (aufgepaßt!) die leichteste und einfachste Form der Unterhaltung, sondern erfordert eigenen Einsatz, Hingabe und Kontemplation, dazu Empathiefähigkeit, Willenskraft und Ausdauer. Wer sich also tagsüber aus Notwendigkeit oder Geldgier schon ausgepowert hat, der sollte abends seichte Filmchen gucken, von denen es auch deutlich mehr gibt als ernsthafte, oder Literatur auf Groschenheftniveau lesen, geschenkt, nehme ich niemandem übel, wenn er nach der Lohnarbeit müde ist, wohingegen alle anderen sich an der Kunst versündigen, wenn sie sich ihr aus reiner Faulheit oder einem falschverstandenen Hedonismus verweigern, was allerdings durchaus mein Eindruck ist. Doch wenn Sie, die Verweigerer, denken, mich so vom Schreiben abzuhalten, damit der Druck nicht noch größer wird, so haben Sie sich ins faule Fleisch geschnitten – – – Nehmen Sie sich, verdammt noch mal, ein Beispiel an Oblomow, der zwar auch nicht als großer Leser in die Weltliteratur einging, immerhin aber als Oblomow, der Faule, der es wenigstens versuchte, nicht mehr faul zu sein, doch davon sind Sie, die Verweigerer, weit entfernt, scheint mir, denn glauben Sie im Ernst, ich oder ein sonstwie Schreibender erwähnte Ihrer nur in einem Nebensatz!? Gut also, daß Sie dies hier gar nicht gelesen haben! Ha!

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Vogelbesuch

Bedenkt man den Umstand, daß ich persönlich nix Spannendes zu erzählen habe, so habe ich doch schon so einiges erzählt, dünkt mir. Ich erfinde eben das meiste, was aber, das ist nicht zu übersehen, nicht unbedingt gut ankommt, wenn man sich nicht eindeutig oder sogar gar nicht in den Fantasy-Bereich hinein verfügen kann. Lügner! schreit man mir also lautlos entgegen, denn welche Anmaßung, nicht von sich zu erzählen. Ich tät’s ja womöglich, nicht um Preise abzugreifen, sondern weil ich müßte, aber da ich eben nicht muß, tue ich was ich will. Egoist! schreit man mir also lautlos entgegen, denn welche Anmaßung, nicht von sich zu lassen. Übrigens kam letztens ein Vogel bei mir vorbei, fand es aber langweilig und flog wieder davon. Ist ihm nicht zu verübeln.

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Hatschi und Kratzi

Zum Glück bin ich nicht krank, ich fühl mich nur so – Sie ahnen es, ich gehöre zu denjenigen Zeitgenossen, die den Frühling zwar herbeisehnen, nicht aber wirklich genießen können. Drei, vier Monate im Jahr ist Heuschnupfen nur eine ferne Drohung, doch wenn er dann wieder zuschlägt, ist man schlapp und schlaff und verschnupft, es juckt, die Augen sind gereizt, ja überhaupt ist der ganze Mensch in einer gereizten Verfassung, die nichts Gutes erhoffen läßt. Wenn der Heuschnupfen wenigstens ein wichtiges Sujet in der Literatur wäre, so würde man sich aufgehoben fühlen, verstanden, wäre verknüpft mit etwas Höherem, einem Sinn, mit irgendetwas, was nicht einfach nur so banal und ungerecht ist. Sollte sich also ein Autor mal hinsetzen und den Heuschnupfenroman schreiben, ein Mensch auf der Flucht vor der bösen Polle, vor der noch böseren Kreuzallergie, sein Kampf wider den Menschheitsfeind! – und da das Thema populär ist, machen wir doch gleich auch noch einen Film aus der Sache, samt personalisierter Polle (siehe das mit erheblichem Risiko gemachte Foto unten), die das Menschheitsgeschlecht vernichten will, was nach Helden und Heldinnen ruft, die röchelnd sich dem Feind entgegenwerfen, der sich zugleich aber in ihnen einnistet und sie von innen zu zerstören sucht. Ein super Thema, nicht wahr, und wäre ich nicht so schlapp, würde ich mich auch sofort an die Arbeit machen, großes Nieserehrenwort – Hatschi!

 

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Zärtlich bebilderte Ablenkungsmanöver?

Als wenn nicht die meisten Ablenkungsmanöver schiefgingen! Miss TT spricht auf Tainted Talents von solchen, weil von dem wirklich Wichtigen, vom Wichtig-Persönlichen, ist es nicht unbedingt positiv konnotiert, in so einem Blog womöglich nicht geschrieben werden kann oder sollte, so daß sich ablenkende Gesten geradezu anbieten – denn, sage ich, in Gesellschaft spielt man nun mal eine Rolle, die nur zu einem kleinen Teil selbstbestimmt ist. Naja, man muß ja auch nicht immer quatschen, man kann das, was einen so umtreibt, ja auch in ein Bild packen, und so will ich das mit den zärtlich bebilderten Ablenkungsmanövern einfach mal selbst ausprobieren, also denken Sie sich diesen ohnehin holprigen Text mal weg und sehen Sie nur auf das Bild hier. So geht’s mir im Moment unter Umständen, vielleicht und möglicherweise, oder aber eben auch nicht:

 

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Weltberühmtheiten

Es gibt zur Zeit etwa sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten, und die meisten kenne ich gar nicht. Sicher aber ist, man würde sich gegenseitig als Mensch erkennen, träfe man sich. Sicher ist auch, daß ein jeder dieser Menschen für sich allein seine ureigene Welt belebt, in die niemand so tief eindringen kann, wie er selbst in ihr steckt. Desweiteren ist klar, daß in den, sagen wir mal, nächsten hundert Jahren Milliarden von Menschen sterben werden, ein Massensterben also, während zugleich gezeugt und geboren und gelebt wird. Macht man sich dies alles klar, so wirkt die Behauptung, dieser oder jener Mensch sei weltberühmt, doch reichlich naiv. Ich kann mich noch gut erinnern, wie vor einer ganzen Weile zwei schweizerische junge Männer mich nach der Bar Becketts Kopf fragten, die müsse doch irgendwo hier sein, worauf ich ihnen den Weg und zugleich darauf hinwies, die Bar hätte keine Leuchtreklame, im Fenster sei aber das fotografische Porträt Samuel Becketts in einem Leuchtkasten vor einem Vorhang zu sehen, man könne also imgrunde nicht vorbeilaufen – worauf mich der eine der beiden fragte, wer denn dieser Beckett überhaupt sei. So was!

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Die gute Tat!

Ich kenne Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen und Ansichten und Lebenserfahrungen, aus allen Altersstufen, mit allen möglichen Gewohnheiten, in allen möglichen Lebenssituationen steckend. Ich könnte es mir einfach machen und jedem Einzelnen nach dem Mund reden und die damit verbundenen Vorteile abgreifen, doch eben dies tue ich nicht, eigentlich kann ich es auch nicht, ja, mir fehlt diese Fähigkeit, wodurch sich vieles erklären läßt. In jedem Fall bin ich immer der Andere, woraus folgt, daß Ihr mich alle zusammen mal kreuzweise könnt! So, das mußte mal wieder gesagt werden und das war dann auch meine gute Tat für heute.

 

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Nichts Neues zur Poetik literarischer Blogs

Meine Faulheit bezüglich des Verfertigens poetischer Texte oder von Texten zur Poetik von dem hier an eben diesem Orte spottet selbstverständlich jeder Beschreibung! Für weniger mach ich’s nicht, da können Sie sich auf den Kopf stellen und mit den Beinen hurra schreien, so wie die Damen in der Oranienburger es nicht unter 80 € machen, wenn man denn den aufgerufenen Preisen Glauben schenken will. Aber zum Thema: meine Faulheit also besteht im wesentlichen – oder setzt sich zusammen aus dem Nichtverfertigen von Text, der neben dem verfertigten unbedingt verfertigt werden müßte, es drängt mich unweigerlich, doch leider muß ich Prioritäten setzen und kann mich nur um das kümmern, was mir wirklich am Herzen liegt, unweigerlich reicht einfach nicht, denn auch meine Sturheit spottet selbstverständlich jeder Beschreibung, für weniger mach ich’s nicht und für 80 € kriegt man zwei oder sogar drei, man schiele nach Sonderangeboten, Flaschen guten Single-Malt-Whisk(e)ys und kann sich damit mehrere Abende verlustieren und nicht nur ein Stündchen, was man natürlich auch ohne Stimulanzien kann, vor allem in Berlin, über das Samuel Beckett in einem Brief vom 22.12.1936 schrieb, die Stadt selbst sei „ein monströser Witz, aber auf Anhieb sympathisch, mit einem Himmel fast so gut wie in Dublin“ – das trifft’s immer noch, finde ich, wobei meine Faulheit es mir folgerichtig selbstverständlich gestattet, mich spazierend in der Stadt zu bewegen, denn in keiner deutschen Stadt kann man so gut spazierengehen wie in Berlin, nur die Oranienburger sollte man abends meiden sowohl wegen der vielen gutgemeinten, dennoch aber gehstörenden Angebote als auch der Horden wilder Engländer, Holländer, Ruhrgebietler, Rheinländer und so weiter wegen, zusammengefaßt könnte man von Westeuropäern sprechen – doch da fällt mir ein (nichts regt den Gedankenfluß mehr an als ein Spaziergang, man schlage nach bei Robert Walser), ich müßte doch mal einen Fachmenschen fragen, warum lateinisch mentula für deutsch-dichterisch das männliche Glied im Lateinischen weiblich ist, da muß es doch eine Erklärung für geben, denke ich, oder sollte das Zufall sein! Wäre ja unglaublich! Wie kam ich drauf? Ach ja, es ging um meine Faulheit, die selbstverständlich jeder Beschreibung spottet, wenngleich ich mich gleich morgen mal um die Poetik von literarischen Blogs kümmern werde, das Thema ist ja doch ziemlich spannend, oder sagen wir, übermorgen! (Wie komme ich nur elegant aus diesem Text raus? Ich könnte es mit … versuchen, dünkt mir.) …

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Mensch, Ostern!

Ich konnte mit Ostern noch nie etwas anfangen, doch dieses Jahr erkenne ich wenigstens endlich, wofür Ostern gut ist: zum Rumhängen – klar, was sonst! Also setze ich mich an die Heizung, den Kopfhörer auf und höre Pink Floyd. Es gibt Zeiten, da höre ich eher Mahler, würde auch gehen zu Ostern, sicher, doch wenn ich The Wall hören will oder Animals, dann bin ich ja wohl der letzte, der mir das verbieten würde – wäre auch sonst keiner da, alle meine Freunde sind je auf dem Land oder auf einer Insel oder sonstwo, wie überhaupt Berlin selten so ausgestorben ist wie zu Ostern, selbst wenn das Wetter gut ist, was es ja leider trotz Sommerzeit nicht sein will, wofür wir nun aber wenigstens am Abend das Elend länger bei Lichte betrachten können, Mensch! Is‘ ja auch was und tröstet doch ungemein!

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Tagebuch, fiktiv

Manchmal denke ich darüber nach, was ich schreiben würde, schrieb ich täglich Tagebuch. Natürlich nicht so eins, das dem späteren Ruhm zu dienen hat, sondern ein echtes. Was würde ich schreiben? Etwa dies: „Interesse an meiner Arbeit, meinem Roman läßt von allen Seiten rapide nach, oder bilde ich mir das ein? Darf ich Interesse überhaupt erwarten, wenn so viele meiner Freunde im Angestelltenmodus leben und bzw. oder einen Sack voll Kinder haben? Die Welt scheint da draußen ohne mich weiterzulaufen, nur manchmal bricht jemand aus und besucht mich, bleibt eine kleine Weile, erklärt mir, wie gut es mir geht und ist dann auch schon wieder fort. Seltsam, so ein Leben.“ Würde ich dies wirklich schreiben, mit Füllfederhalter ins Buch, Datum und Ort obenauf, und wenn ja, ginge es mir dann besser oder schlechter? Ich weiß es nicht. Vielleicht würde ich ja auch jeden Eintrag beenden mit diesem Satz, mit dem früher die Geschichten in so Grusel-Groschenheften endeten: „Seltsam, aber so steht es geschrieben.“ Ja, das trifft es genau!

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Bücher

„Ich habe keine Lust, für den Rest meines Lebens Bücher zu schreiben, die keiner liest“ – so Samuel Beckett am 26. Juli 1936 in einem Brief an Thomas McGreevy. Sehr gute Einstellung, das! Würden mehr Menschen dieser Einsicht nach leben, man könnte sich die sündhaft teuren Bibliotheken für die paar Spinner, die sie benutzen, sparen! Das bißchen Pathos, das die Zeit braucht, kann auch ein Bundespräsidentendarsteller medial angereichert unter die Leute werfen, wie man grad jetzt deutlich sehen kann, während ansonsten alles so pragmatisch läuft wie immer, Verteidigung unserer Grenzen am Hindukusch, Verkauf präzise laufender Maschinen made in Germany in alle Welt, Palaver auf allen Kanälen und überhaupt Brot und Spiele und natürlich auch Brot für Welt, vielleicht auch Wasser noch. Jeder muß sich halt ein wenig anstrengen und seinen Beitrag leisten, und da ist es natürlich geradezu wesentlich, keine Lust aufs Bücherschreiben zu haben, vor allem, wenn ohnehin niemand sie liest. [So, fertig mit dem Artikelchen, dessen Pointe außerhalb desselben liegt.]

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