Dem Roman seine Überarbeitung VIII

Nun geht es wieder etwas flüssiger zu, die Stockungen zu Beginn des sechsten Kapitels sind Überarbeitungsgeschichte. Es bleibt natürlich spannend, vor allem weil nun etwas geschehen ist, das Folgen haben muß zwischen den zukünftigen Buchdeckeln, sonst wäre es ja nicht passiert bzw. hätte nicht seinen Niederschlag gefunden in der Geschichte, die ohne dieses Geschehen ja auch nicht wirklich weiterginge. Ich wäre jedenfalls nicht bereit gewesen, das Geschehen ohne die schicksalhaften Vorfälle des sechsten Kapitels weiter zu beschreiben, das würde mir zu langweilig geworden sein. Jetzt aber, durch den Tod eines Menschen, dem kein schönes Dasein gegeben war, wird ein Sog erzeugt, ungeahnte Energie tritt zutage, Haß und Rachsucht kommen nach und nach ins Spiel. So ist die Welt. Wie schreibt doch Emilijan Stanew in Der Antichrist (Rütten und Loening, Berlin 1974 / Антихрист. 1970): „Durch das Wort aber wurde die Welt erschaffen, durch das Wort nehmen wir sie in uns auf, und wenn es ein Trug ist, so ist auch die Welt eine Lüge.“ So ist es!

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Statt die Überarbeitung des Romans fortzusetzen, war ich auf dem Sommerfest des lcb

Um es gleich zu sagen, es war ein schöner Nachmittag, denn spannende und interessante Menschen trifft man dort schon, im literarischen colloquium berlin. Dennoch ist das einfach nicht mein Ort, jedenfalls wäre ich freiwillig nicht zu diesem Sommerfest gegangen. Der Grund liegt einfach darin, daß ich mich über die Jahre immer wieder für Stipendien dort beworben habe, ich aber nie eines bekam. So fühle ich mich natürlich für immer ausgeschlosssen, nicht zugelassen, ignoriert, abgewiesen, für nichtig erklärt und so weiter. Nicht etwa, daß ich wegen all der Absageschreiben in meinem Leben jedesmal einen Zauber veranstaltet hätte, da käme ich aus dem Zaubern ja gar nicht mehr heraus, doch mit dem lcb ist es irgendwie etwas anderes, da wäre ich gerne mal gewesen. Gut, zugegeben, ich bin über die Jahre empfindlich geworden, was Absagen und Nichtberücksichtigungen betrifft, doch ich habe eben jetzt nichts anderes mehr als mein Schreiben, ich kann nicht einfach als Teil des Publikums an einen Literaturort gehen. Ausnahmen mache ich, wenn dort jemand liest, den ich persönlich kenne, aber auch das ist manchmal schwer.

Geduld, Geduld, sag ich mir immer wieder. Im September ist es vier Jahre her, daß mich das Thema meines Romans wie ein Blitz traf, und da ich seit Ende 2008 nicht nur meine Doktorarbeit zuende geschrieben und diese verteidigt, sondern sie natürlich auch noch veröffentlicht habe, kann ich mir in bezug auf den Roman nichts vorwerfen, ich bin im Plan und in wenigen Wochen durch mit der Überarbeitung. Und dann muß das Ding raus in die Welt, völlig unabhängig von irgendwelchen Literaturorten, denn wenn ich auch einiges im Leben aufgegeben habe, die bildende Kunst, auch die Kulturwissenschaft, so kann ich das Schreiben eben nicht aufgeben. Außerdem ist es ein aus dem Vollen geschöpfter Roman, der alles hat, was ein Roman meiner Ansicht nach haben sollte! Selbstredend aber würde ich mir jetzt diese ganzen Gedanken nicht machen, wäre ich nicht heute dort am Wannsee gewesen, und überhaupt, was wollen diese dummen Gedanken eigentlich – ja, dumme Gedanken: was wollt ihr von mir?

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung VII

Gestern lief es dann besser, doch die Erschöpfung nimmt zu. Dabei arbeite ich den Stunden nach nicht mehr als die meisten anderen Menschen, nur ist mir leider kein Feierabend vergönnt, denn es rumort ständig in mir weiter. Schließlich ist der Roman ganz allein meine Geschichte, allein auf meinem Mist gewachsen, so daß ich natürlich nichts delegieren kann oder jemandem den schwarzen Peter zuschieben! Die kleine Grillparty gestern am Nachmittag mit vielen Eltern und Kindern ist mir dann schon eine Erholung gewesen, wenngleich ich mich heute gezwungen sehe, aus rein beruflichen Gründen einen Ort aufzusuchen, wo all diese Büchermenschen sind und wahrscheinlich gute Laune verbreiten und womöglich, o Graus, Aufbruchsstimmung. Auch das Wetter soll ja hochsommerlich werden in Berlin, da drehen dann sicher alle wieder durch und spielen Südländer. Oh Mann, habe ich schlechte Laune! Mal sehen, was ich daraus mache!

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung VI

Gestern war echt der Wurm drin! Mehr ist dazu an sich nicht zu sagen, denn das kommt vor. Vielleicht liegt es daran, überlege ich trotzdem, daß ich seit einer Weile ungewohnt schlecht schlafe und dann auch noch miese Träume habe, alles natürlich Klassiker, die auch ohne Freud zurückzuführen sind auf das einsame Arbeiten, die größer werdenden Finanzprobleme (Sie wissen schon: Mieterhöhung, Stromkosten, Lebensmittelpreise …), die fehlgeschlagenen Versuche der letzten zwei Jahre, einfach mal ganz vernünftig Geld zu verdienen bzw. zu bekommen und so weiter und so weiter. (Der Familienspruch dafür ist: Alles Kacke, Deine Elli.) Aber man kann es sich eben nicht aussuchen, wer man ist und was man tut, weil man sonst kein Sein hat und von anderen Menschen nur unter Haben abgebucht wird. Andererseits ist das Kapitel, das ich gestern anging, ein schwieriges, denn eine bisher nur kurz beleuchtete Figur gerät ausgerechnet dann in den Fokus, als es ihr am allerschlechtesten geht, auch wenn es ihr vorher schon kaum mal gut ging. Rückblicke werden später zeigen, warum das so ist. Jedenfalls habe ich stundenlang Worte hin- und hergeschoben, neu- und umformuliert, trotzdem aber kaum drei Seiten geschafft. Fange ich also beim nächsten Mal wieder von vorne an! Freu mich jetzt schon.

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung V

Zeitgleich mit der Romanüberarbeitung einen Roman zu lesen, ist riskant! Wie leicht könnte ich angesichts des fremden Werks in Versuchung geraten, meinen noch in Bearbeitung befindlichen Text abzuwerten, indem ich Vergleiche anstelle. Bisher ist mir das aber nicht so gegangen, und ich bin guter Dinge, daß das so bleibt. Lesen tue ich im Moment den Roman Der Antichrist (Rütten und Loening, Berlin 1974 / Антихрист. 1970) von Emilijan Stanew. Es handelt sich um einen historischen Roman im allerbesten Sinne, der im 14. Jahrhundert spielt. Mein Roman hat seine Zeit im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert, es gibt inhaltlich keine Gemeinsamkeiten, einmal abgesehen von der Angst der Menschen vor dem Teufel und der Hölle, so daß es also überhaupt keinen Grund gibt, das Lesen in der Überarbeitungsphase sein zu lassen, vor allem da es mir so gelingt, täglich eine kleine Weile woanders zu sein. Im Hier und Jetzt habe ich, wie immer wenn es ans Eingemachte geht, außerordentlich schlechte Laune, ich bin gereizt und angespannt. Einem meiner jungen Protagonisten geht es übrigens auch nicht so blendend, obwohl er seinen verletzten Fuß eine Weile in einen toten Hund stecken darf, einen Sturz glücklich übersteht und sogar von einigen Dummen für den Teufel gehalten wird, was natürlich nicht immer ein Nachteil für ihn ist, besonders wenn es um die Mädchen geht. Am Ende des gestern bearbeiteten Kapitels steht er jedenfalls allein unterm Sternenzelt und sieht den Mond an – schweigend natürlich.

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung IV

Bis jetzt ist alles sehr interessant. Als zweite Hauptperson schält sich nach und nach, wenn ich mich mal in die Lage eines Lesers versetze, ein noch kleiner Mensch heraus, der irgendwann mit der anderen Hauptperson, dem kleinen Menschen aus dem ersten Kapitel, zusammentreffen muß. Doch wie, wo und warum? Ich als Autor weiß es natürlich so ungefähr, am besten aber weiß es der Text, den ich, ihn überarbeitend, befrage. Die Antworten des Textes sind dabei selbstredend nur vorläufige, denn wer weiß schon, was ich, kraft meiner Wassersuppe, noch alles verändern werde. Es läuft also gut, das mit der Überarbeitung, wenngleich ich mich dabei selbst nicht gut fühle, nicht gut fühlen kann, denn es ist eben alles sehr diffizil, ein Hochseilakt ohne Netz. Neben der Stimmigkeit der Handlung und der Motivlage ist natürlich auch das Sprachliche zu beachten, denn ich schreibe noch hier und da etwas dazu, kleine Beobachtungen, die die Handlung verorten und eintakten, so etwas in der Art wie ein Blick zum schiefen Kirchturm hin – doch das muß alles genau passen, also präzise gesetzt sein. Dabei bin ich durchaus kein Als-ob-Autor, dem zu jedem Pups etwas Gleichnishaftes einfallen muß, damit bloß der Ton stimmt. Eigentlich schreibe ich Gleichnishaftes sogar nur dann auf, wenn es einer handlungstragenden Person ohne mein Zutun einfällt – denn sonst bekommt der Text Löcher und die Dichte geht verloren, und das kann ja wohl niemand wirklich wollen.

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung III

Im recht kurzen dritten Kapitel des Romans findet nichts weiter statt als die den eigentlich „Plot“ auslösende Begebenheit. Eine Reise wird angetreten, von der niemand wissen darf und die die Reisende weder von sich aus noch freiwillig auf sich nimmt. Zudem bleibt, weil das immer so ist, jemand zurück, der dies aber nur ganz vage begreift, und dann kommt noch eine Nebenfigur ins Spiel, in dessen Haus es bald schon fürchterlich stinken wird, von der Schreierei und den Gewalttätigkeiten mal ganz abgesehen. Einiges davon tut mir als Autor herzlich leid, ich sehe meine Figuren immerhin fürchterlich leiden, aber ich kann’s nun mal nicht ändern, sondern nur schreiben. Das ist das Los des Autors!

 

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung II

Andernorts ist es auch nicht besser. Sagte ich schon, daß der Roman seine Zeit zunächst Ende des 17. Jahrhunderts hat? Da stöhnen natürlich alle Ich-Roman-Schreiber der gegenwärtigen Gegenwart mit ihren berufslosen Ich-Figuren auf, doch das kann mir egal sein – denn auch mir ist der Stoff zugestoßen. Wer seinen Stoff suchen muß, hat schon verloren! Im zweiten Kapitel wird jedenfalls ein zweiter Handlungsort eingeführt, es geht um einen kleinen Menschen an einem Rockzipfel, aus dem noch einiges werden kann, denn er wird sich, das darf ich schon verraten, durchbeißen und viel lernen müssen. Selbstredend ist das Lernen und Sichdurchbeißen zeitlos, denn auch heute sind nicht wenige Heranwachsende in der selben Lage wie dieser eine meiner Protagonisten vor dreihundert Jahren, wenn sie denn erst einmal richtig das Lesen und das Schreiben lernen müssen. Und all das in einer Zeit, in der gestritten und geschlagen wird, in der die einen Menschen glauben entscheiden zu können, ob der andere Mensch es Wert ist, gut behandelt zu werden. Am Ende des Kapitels klaubt ein findiger Kaufmann übrigens etwas Weggeworfenes von der Straße und verkauft die drei Dingerchen als Glücksbringer. Fortsetzung folgt.

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Dem Roman seine Überarbeitung I

Nachdem die eine und die andere Mitstreiterin mir Mut zugesprochen hat, habe ich mich nun an die Überarbeitung meines Romans gemacht. Über 400 Normseiten sind zu bewältigen, insgesamt 27 Kapitel. Ich arbeite am Bildschirm und drucke, wenn der Text mir endlich stimmig erscheint, die neue Version kapitelweise aus. Dann, wenn alles bearbeitet ist, wird, Sie ahnen es, das Ausgedruckte noch einmal komplett gelesen, worauf dann die hoffentlich nur noch kleinen Änderungen in den Rechner gehackt werden. Ziel ist natürlich der perfekte Text, in und an dem alles stimmig ist, in jeder Hinsicht. Der Einwand, das sei unmöglich, hindert mich nicht daran, es zu versuchen. Im ersten Kapitel findet jedenfalls eine Geburt statt sowie die dazugehörige Zeugung, dann geht ein Mensch baden und erzeugt ein Geheimnis, worauf schließlich, aber unabhängig von all dem, eine Schnecke auf Wanderschaft geht, worüber alle lachen können, nur einer nicht. Und dann ist das Kapitel auch schon zuende. Im zweiten geht das Ganze wieder von vorne los, unter anderen Vorzeichen, an einem anderen Ort und mit anderen Menschen. In jedem Fall ist ordentlich was los – versprochen!

 

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | Hinterlasse einen Kommentar

Ist das Teufelchen geduldiger als ich?

Es ist nichts weiter als eine Stimme, die aus dem Nichts kommt. Also gut, Stimme aus dem Nichts: Halt‘ die Klappe! Leider funktioniert das nicht, sie wird weder leiser noch lauter, weder eindringlicher noch unauffälliger, sie sagt einfach immer nur das Selbe. Niemand wird Deinen Roman, sagt die Stimme, verlegen wollen, warum quälst Du Dich so mit ein, zwei Sätzen oder Formulierungen, mit der Zeitschiene und den Anschlüssen und dem ganzen Kram – es lohnt sich nicht! Ich sage dann, daß der Text des Romans mir selbst beim Überarbeiten Spaß macht, ich lese ihn gerne, sage ich, doch das Teufelchen behauptet einfach, ich löge mir in die eigene Tasche. Sowas! Dann sagt das Teufelchen noch, ich könne mir doch alles selber ausrechnen, denn selbst wenn ein Verleger so verrückt wäre, meinen Roman zu verlegen, wer würde ihn kaufen? Und selbst wenn einer den Roman kaufte, würde er ihn dann lesen? Wohl kaum, sagt das Teufelchen. Ich widerspreche natürlich, doch jetzt behauptet es sogar, ich machte mich lächerlich, alle würden das sehen. Da werde ich natürlich wütend und schrei das Teufelchen an, doch es lächelt und fragt ganz süffisant, mit wem ich denn glaube zu reden. So weit sei es mit mir schon gekommen! Wer diesen Wettstreit wohl gewinnen wird?

Veröffentlicht unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! | 2 Kommentare