Pseudonym & Verwechslung

Liebe Leser und Leserinnen!

Ein Wort in eigener Sache. Es kommt, so mußte ich feststellen, immer wieder zu Verwechslungen meines Pseudonyms Norbert W. Schlinkert mit meinem bürgerlichen Namen Norbert W. Schlinkert – und umgekehrt. Sogar immer häufiger. Ich denke, das müßte nun wirklich nicht sein. Dabei machen manche den Fehler nie, andere aber ständig, viele jedenfalls viel zu oft, und es ist mir, um der Wahrheit die Ehre zu geben, schleierhaft, wie das überhaupt passieren kann. Muß man denn den Menschen alles bis ins Klitzekleinste erklären? Auf die Nase binden? Soll man an jeden bürgerlichen Namen und an jedes Pseudonym einen Beipackzettel tackern, eine Betriebsanleitung, gar Warnhinweise, nicht zusammen mit Alkohol einnehmen, nicht von der Seite anquatschen … Also ehrlich, das kann man sich doch alles denken, vorausgesetzt natürlich, man erkennt, wen man da vor sich hat, wer sich da entäußert, wer da aus dem Nähkästchen plaudert, sein Inneres nach Außen kehrt. Sie müssen auch berücksichtigen, daß immerhin auch nicht selten Fehler auftreten, wenn denn Norbert W. Schlinkert nicht für ihn gedachte Botschaften an Norbert W. Schlinkert weiterreichen muß, so wie dieser die nicht für ihn geltenden, was auch hier zu Verwechslungen oder gar zu einem Durcheinandergeraten der Nachrichten selbst führen kann, so daß am Ende niemand mehr weiß, wo ihm der Kopf steht und ob es überhaupt der eigene ist. Also, liebe Leser und Leserinnen, Sie sehen, die Angelegenheit ist ernst und erfordert Maßnahmen. Seien Sie also so gut und checken einmal alle Funktionen Ihres Denk- und Wahrnehmungsapparates durch, und prüfen Sie, wenn Sie schon einmal dabei sind, auch genau, wer Sie im Augenblick überhaupt sind, respektive nicht sind, tja, und dann, dann sollte es im besten Falle, so hoffen wir jedenfalls, nicht mehr zu diesen Unannehmlichkeiten kommen.

In diesem Sinne,

Ihr Norbert W. Schlinkert

Kritzeleien-15a-NB-Norbert-W.-Schlinkert

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Stockende Gerinnung

Was mich zur Zeit umtreibt, gerinnt mir nicht zu Sprache. Oder nur, wie hier, zur einfachen Feststellung des Umstandes selbst. Mit Sprache meine ich die mir eigene literarische. Warum das so ist, ist mir, naturgemäß, schleierhaft. Was die Reaktionen auf mein Schreiben angeht, darüber denke ich nach als eine mögliche Ursache – so war die letzten Monate alles dabei, würde ich mal sagen, Beschimpfungen und auch Belobigungen von Laien ebenso wie kritische Anerkennung meiner Arbeit durch Fachleute, wenngleich alles zusammen genommen für den Moment noch nichts Faktisches zeitigt. Geduld ist gefragt. Arbeit. Interessant dieses Bild: meine Arbeit stockt, weil das mich Umtreibende mir nicht zu Sprache gerinnt. Die direkteste Antwort auf die Frage nach dem Warum ist mir allerdings die, nach Jahren der konkreten Arbeit an meinem Roman nun zunächst dessen Veröffentlichung zu brauchen, schlicht der Wertschätzung wegen, um frei wieder arbeiten zu können, auch an ganz und gar anderen Texten. „Nimm dich wichtiger“, sagte mir mal jemand, „schreib über Dich, nur das wollen die Menschen lesen, die großen Würfe sind literarisch doch ohnehin längst getan.“ Ich weiß nicht mehr, was ich genau antwortete, so etwas wie daß der Schriftsteller alle Wirklichkeit nimmt und sie neu zusammensetzt, aber ich weiß, wie mir diese Ansicht querging, daß nämlich alles Große bereits getan ist und wir alle nur Epigonen seien, denn wenn das stimmte, wäre dann die ganze literarische Arbeit denn nicht nur Dienstleistung? Ein Produkt wie andere auch? Ja, das wäre sicher so, aber allein der Umstand, sich eben dem zu erwehren, ist zusätzlicher Grund genug, zu schreiben. Doch noch stockt mir die Gerinnung und nichts wird mir fließend, wenngleich ein schräges Bild aus Worten schon einmal ein Anfang ist.

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Blue!

Steg (NB), Norbert W. Schlinkert

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Geht wem ein Licht auf?

Geht wem ein Licht auf?, Norbert W. Schlinkert

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Die Wiederholung

„Nein, nein, Ihre Ohren sind völlig in Ordnung, Sie hören nur nicht mehr richtig hin. Aber das ist normal in Ihrem Alter.“

„Weil sich alles wiederholt?“

„Sie müssen lernen, die Wiederholung zu lieben! Die Wiederholung lieben lernen!, das sagen Sie sich jetzt erst einmal so lange selbst vor, bis Sie es nicht mehr hören können. Dann sind Sie geheilt.“

„Das ist doch absurd.“

„Was sagten Sie?“

Die Wiederholung lieben lernen!

„Was?“

Polaroid 12 Norbert W. Schlinkert

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Den Arsch bewegen

Was soll daran gut sein, frage ich mich, wenn mir so vieles, was ich tat, jetzt als mißlungen erscheint? Als wirkungslos. Mittendrin war ja alles noch gut, das weiß ich sicher, nur jetzt, von außen, sieht es nicht nach etwas Gutem aus. Klar, all diese Angriffe und Gehässigkeiten traten immer erst in dem Moment auf, wo ich meiner Leistung wegen satisfaktionsfähig war, und zwar punktgenau, unmittelbar. Warum habe ich also nicht die Schwachstellen der Gegner ausgenutzt und sie in die Schranken gewiesen, statt mich von denen an den Rand (von was eigentlich?) drängen zu lassen? Oder mich ihnen zugesellt, um sie aus der Nähe zu vernichten? Die Antwort ist, weil sie es mir nicht wert waren und weil ich, eben deswegen, nicht an ihre Stelle treten wollte. Das mag wohl arrogant klingen und auch sein, ist aber die Wahrheit, und das einzige, was ich nun zu tun habe, ist, meinen Arsch vom Rand wieder in meine Mitte zu bewegen, und dann ist auch das Gute wieder gut zu sehen.

Der Pfeil (Ausschnitt,NB), Norbert W. Schlinkert

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Spruchreif I

Spruchreif I, Norbert W. Schlinkert

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Novembergrauen

Summertime, Norbert W. Schlinkert

Wissen Sie, liebe Leser:innen, auch ich leide im November am November und gedenke der verflossenen Sommertage. Zum Glück habe ich dieses Jahr nicht nur Kapriolen getrieben, sondern auch an neuen Roman-Texten gearbeitet, von denen einer* doch tatsächlich mit einem Sommertag beginnt. Es hilft, ihn jetzt zu lesen. Ein anderer beginnt im kältesten Berliner Winter, doch leider sind beide Texte nun, der Kapriolen wegen, die ich trieb, ansonsten kaum mehr zu gebrauchen, über zweihundert Seiten für die Tonne – naja, gut, nicht für die Tonne, sondern eher für den Ordner Verworfene Texte. Vielleicht aber ist es auch so, daß mir für einen neuen Roman vorerst die Geduld abhanden gekommen ist, November hin oder her, denn, seien wir mal ehrlich, es ist doch immer sehr viel Handwerk beim Seitenfüllen dabei; durchgängig Schreibgenuß habe ich jedenfalls nur beim Schreiben kürzerer Texte, so bis etwa hundert Seiten. Is‘ jedenfalls meine Erfahrung, und das liegt natürlich auch daran, daß Routine mir ganz schnell zur Langeweile gerinnt und ich was Neues machen will. Da kommste natürlich auf keinen grünen Zweig, wie man so schön sagt, und schon sind wir irgendwie wieder beim November, dem grauen schlechthin.

Klatsch! Norbert W. Schlinkert

 

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Nicht auf den Text pissen!

Vertrocknet eine Geschichte nicht eigentlich beim Hinschreiben in gewisser Weise und muß vom Leser wieder befeuchtet, bewässert werden, damit sie in ihm, in ihr aufblühe? Manche Leser:innen pissen drauf, aber das ist meist ganz falsch. Anhauchen reicht oft schon. Dem Text eine Seele einhauchen, darum und deswegen lesen wir doch alle – es geht um diese Lebendigkeit, selbst noch beim reduziertesten Text. Manch eine Geschichte wuchert dann im Leser für immer, andere stecken ihre Fühler kurz nur aus der Muttererde und sterben bald wieder ab, auch für immer. Manchmal stelle ich mir mich lesend in einer Landschaft vor, unter einem Baum sitzend, obwohl ich doch eigentlich zuhause lesend auf meinem Hocker hocke, in einem Buch steckend, in dessen Landschaft alles mögliche geschieht, nur eben keiner vorkommt, der liest, wo auch immer, und schon gar nicht ich. Und doch ist mir alles eins.

Nicht auf den Text pissen, Norbert W. Schlinkert

 

 

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Knutschen und Pommesessen 2014 – leicht verfrühter Jahresrückblick eines verkappten Schriftstellers

Jahresrückblick 2014:1, Norbert W. Schlinkert Imgrunde ist es nie meine Sache gewesen, am Ende eines Jahres zurückzublicken. Man zerhackt sich so nur sein Leben, wenn man denn eines hat. Doch will ich dieses Jahr 2014 mal eine Ausnahme machen, vor allem deswegen, so mein Selbsteindruck, weil ich einen guten Teil des Jahres mit Träumen verbracht habe und mit Nachdenken. (Daß das nicht bezahlt wird, das Träumen und das Nachdenken, zeigt allein schon, in welch einem völlig kranken und kaputten System wir leben!) Ich nehme also kurz mal meinen Wandkalender zur Hand, in den ich gemeinhin allerlei eintrage, so auch gelegentlich meinen Alkoholkonsum (zur Selbstberuhigung) oder mein momentanes Gewicht (zur Selbstkontrolle, wenngleich ich eine Referenzhose im Schrank hängen habe, die sich locker schließen lassen muß), vor allem aber Verabredungen und Termine und auch, mit einem * versehen, die Geburtstage. Manch ein Mensch wird wohl 2015, geht mir durch den Kopf, keine Rolle mehr in meinem Leben spielen, oder nur noch ganz vage am Rande irgendwo – ein Grund mehr, das in diesem Jahr Passierte einmal zu einem Text gerinnen zu lassen. Dabei werde ich selbstverständlich die vorkommenden weiblichen Personen nur mit einem Initial bezeichnen, sagen wir mal L und K, das ist unverfänglich und allemal besser als X und Y oder A und O, ansonsten aber nicht allzu viel unerwähnt lassen, liebe Leser:innen, denn Blätter vor dem Mund schienen mir immer schon falsch plaziert. Wie gesagt, ich habe viel nachgedacht dieses Jahr, nicht um mich in Rührseligkeiten zu verlieren, sondern um mir Vorgefallenes klarzumachen, damit nicht nur das Bittere bleibt, sondern das Schöne seinen Platz findet. L lernte ich jedenfalls Mitte Februar auf einer langweiligen Lehrerinnengeburtstagsfeier kennen – wenn man vor Langeweile sterben will, dann ist so eine Feier ein schönes Plätzchen dafür, Suizid by Lehrerinnengeburtstagsfeier sozusagen. Ich jedenfalls hatte mir auf besagter Feier grad vorgenommen, möglichst viel, um es auszuhalten, zu trinken und mit schlüpfrigen Sprüchen zu nerven, als es klingelte. Ein später Gast, eine Nachbarin vom gleichen Flur, aber, das sah ich sofort, keine Lehrerin. Die Gastgeberin, A, und die Nachbarsfrau, standen also in der Wohnzimmertür, es wurde reihum vorgestellt, das ist die und die, das ist der und der, und das hier ist L, meine Nachbarin, die daraufhin einen Knicks machte und sich setzte, nach Anweisung der gastgebenden Lehrerin auf den Boden vor der Anrichte. Fehlte nur noch die Eselinnenmütze. Da saß sie nun, und wer wäre ich denn, würde ich mich nicht zu ihr hocken wollen, selbst auch unter dem strengen Blick der Gastgebenden, die immer und überall frauenfeindliches Tun erwartet, besonders natürlich von mir. Klar. Nunja, kurz gesagt, L und ich quatschten noch zwei Stunden miteinander, ohne die uns seltsam anstarrenden anderen Gestalten überhaupt noch eines Blickes, geschweige denn eines Wortes zu würdigen. Ein Fauxpas sondergleichen, wie mir Tage später durch die Blume mitgeteilt wurde, worauf ich darum bitten mußte, bloß keinen Neid aufkommen zu lassen. Wir also an diesem Abend scheiß auf die anderen und weitergequatscht, sich beäugt und beschnüffelt. Schließlich warf uns die Lehrerin raus, die anderen seien auch alle schon gegangen, wir also bitte auch. Und tschüß. Was tun also? Mir waren die Hände gebunden, respektive die Zunge, denn manchmal ist Eile die falsche Devise, doch L kam selbst drauf, bei ihr, ein Meter fünfzig über den Flur, noch einen Wein zu trinken. Das taktische Ich in mir, von dem später noch die Rede als einem versagenden sein wird, rief laut, nein, leider, ich muß jetzt gehen, aber hier meine Karte, Madame, rufen Sie mich doch an – allerdings waren wir schon beim Du, so daß ich stumm und mit bollerndem Herzen in diese, ihre, Ls Wohnung trat, die ich erst am anderen Morgen sehr früh wieder verließ, mit ihr zusammen, die zur Arbeit mußte, Frühdienst, und die Tram nicht verpassen durfte. Was aber geschah in dieser Nacht? Darüber, liebe Leser:innen, will ich den Mantel des Schweigens breiten, oder doch so viel sagen, daß L, wir saßen uns weintrinkend in der Küche gegenüber, plötzlich sagte “aber schlafen können wir diese Nacht nicht miteinander” – ein alter Frauentrick, den ich schon kannte, unter dem Motto, ein wenig genötigt will ich schon werden, sonst kann ich Dir ja nicht irgendwann, wenn es mir grad paßt, Vorwürfe machen. Allerdings, es war kein Trick, denn L verhütet natürlich, also gar nicht, und sie war genau in der Mitte ihres Zyklusses, Kondom kam naturgemäß auch nicht infrage … ergo würde ich mich auf den Weg machen müssen und meine Karte dalassen, aber ich tat nichts dergleichen. Die Spannung stieg, der Alkoholpegel ebenso, und warum sie mir dann unbedingt etwas im Wohnzimmer zeigen wollte, begriff ich erst, als ich ganz gegen meine eigentliche Absicht sie küßte, ach was: küßte – ihr meine Zunge in den Mund bohrte. Da war es vorbei mit dem taktischen Geplänkel, auch wenn wir dann wirklich und wahrhaftig in dieser Nacht Mitte Februar des Jahres 2014 beide so viel Verstand aufbrachten, uns zwar ganz dieser irrsinnigen Erregung hinzugeben, trotzdem aber kein Kind zeugten, wenn auch solch Wahnsinn als ein Gespenst immer wieder durch ihre Schlafkoje hindurchfuhr wie der leibhaftige Gehörnte. Es blieb, nachdem sie mich aufgefordert hatte, mich doch schon mal nackt ins Bett zu legen, (fast) nur beim Knutschen. Was gewesen wäre, wenn ich den routiniert Vögelnden in dieser Nacht in mir aktivieren hätte können, will ich mir gar nicht ausmalen, aber wie bereits gesagt, das Alles war derartig erregend, da war an Routine gar nicht zu denken, schon allein weil ich aus der Übung war des Verlassenwordenseins wegen. [Erwarten Sie bloß keine Absätze, liebe Leser:innen, so ein Jahr hat ja schließlich auch keine.] Nun, ich ging also am anderen Morgen fröhlich vor mich hin furzend nach Hause, wohleingedenk der Tatsache, daß das ja wohl plötzlich ziemlich fix gegangen war, nachdem ich zweieinhalb Jahre damit verbracht hatte damit fertig zu werden, daß meine große Liebe, mit der ich elf Jahre zusammen gewesen war, mich verlassen hatte und ausgewandert war in ein Land, das nicht verdorben und versaut ist durch diese perverse protestantische Arbeitsethik – aber das nur am Rande, und natürlich hat katholisches Gottvertrauen auch so seine Nachteile. Jedenfalls, ehrlich gesagt, ich war verwirrt, absolut. Das hatte ich nicht erwartet, als ich am gestrigen Tag aufbrach zu dem langweiligen Lehrerinnengeburtstag, also echt nicht. L jedenfalls wollte am Nachmittag, nach der Arbeit zu mir kommen. Wie ist sie dann, wie wird sie sein, das war die Frage, immer noch so hübsch und lebendig wie auf der Feier und dann im Bett, geil und sinnlich? Ich war noch ganz erfüllt, roch immer wieder an meinen Fingern, die nach ihrer Muschi dufteten (das habe ich schon als Jugendlicher gerne gemacht, auch im Realschul-Unterricht, nachdem ich mit meiner damaligen Freundin in der großen Pause immer kurz mal runter bin Richtung Ruhrwiesen, da gab es so eine verwachsene Birke, auf die konnte ich mich wunderbar legen und sie sich auch, das war toll!), aber ich war auch unruhig, denn obwohl alles so extrem erregend gewesen war, hatten wir den Akt nicht vollzogen, und das machte mich irgendwie wuschig, muß ich echt sagen, auch wenn ich mir sagte, mein Schwanz hat einfach kapiert, daß er nicht soll und nicht darf, Ekstase war einfach nicht drin. Sicherheitshalber sah ich mir im Internet ein paar pfiffige Amateuraufnahmen an, alles klar, dachte ich, steht wie ne Eins. (Auch daß, fällt mir grad ein, L mich mehrmals heftig und sehr schmerzhaft in Oberarm und Brust gebissen hat, zum eben nicht richtigen Zeitpunkt, hatte mich abgetörnt, mich hellwach gemacht.) Dann also, endlich, am Nachmittag, kam L zu mir, fremd, eine fremde Frau, linkisch wirkend, sehr nervös, aber wer weiß, dachte ich, wie ich auf sie wirke – wir knutschten erst einmal, das hilft immer … ja, und da verläßt mich meine Erinnerung, aber was Wunder, wir haben danach wochenlang ganze Tage im Bett verbracht, nachdem es aber zunächst, daran kann ich mich gut erinnern, durchaus überhaupt nicht geklappt hat – und dabei habe ich mir immer so viel darauf zugute gehalten, damit nun überhaupt kein Probleme zu haben. (Allerdings, und das gehört jedenfalls zu meiner Wahrheit auch dazu, ist bei einem One-Night-Stand oder einer gewagten Sache in halber Öffentlichkeit immer auch ein wenig Respektlosigkeit dabei, von beiden Seiten wahrscheinlich.) Aber auch L bekannte, den Kopf ebenso wie ich nicht ausschalten zu können, zwar sehr erregt, dennoch aber blockiert zu sein; wir sprachen sehr offen darüber und bauten Vertrauen auf, ließen uns Zeit – das war schön, auch wenn ich langsam dachte (und sie auch, wie sie mir später einmal sagte), Mist, wir passen einfach nicht zusammen, körperlich – und so ein Lala und Wird-schon-irgendwie-gehen wollten wir uns naturgemäß nicht antun. Der Point of no Return kam dann allerdings unverhofft, wir lagen in ihrer Schlafkoje, zusammengekuschelt, da taucht sie plötzlich ohne Vorwarnung, wir waren schon fast eingeschlafen, einfach ab, nimmt meinen Schwanz in den Mund und bläst mir einen, wie ich es zuvor nie erlebt habe, nie, wahrhaftig nicht, ich wäre fast ohnmächtig geworden, wirklich, ohne Scherz, beide Arme wie taub und fast blutleer, der Leib federleicht, alles war nur noch Schwanz und Mund. Als es mir kam, sie mich in sich aufnahm, war ich durchströmt von einer Sinnlichkeit, einem Glück, ganz und gar unbeschreiblich. Von dieser Nacht an aber vollzog es sich, unser geiles Sexualleben, Ficken, Vögeln, Blasen (manche Frauen halten sich ja für wahre Meisterinnen des Oralverkehrs, L aber kann das wirklich!!!), Posex, auf dem Balkon, in der Küche, wo auch immer, auch sprachen wir offen über alles, auch wenn einer von uns etwas nicht mochte, wir sprachen überhaupt zu Beginn dieser vier Monate viel, während langer Spaziergänge, im Bett des nachts, stundenlang – warum das nicht so blieb, eben das ist die Frage, die mich so sehr umtreibt und die den Grund dafür hergibt, überhaupt meinen Jahresrückblick zu schreiben – alles andere allein wäre nicht Grund genug gewesen (auch nicht die Sache mit K, später, die im Kern kaum zwei, drei Wochen dauerte). Sexuell jedenfalls lief es mit L immer besser, und zudem hatte ich mich auch noch verliebt, auch wenn mir das immer leicht passiert, sobald Schwanz und Muschi im Spiel sind. Ich dachte also tatsächlich, so im März des Jahres 2014, ich hätte die Frau gefunden, mit der ich zusammen sein will, trotz einiger Unstimmigkeiten und Empfindlichkeiten ihrerseits, die ich aber ihrer Vergangenheit zurechnete und deshalb glaubte, ihnen beim Abebben zusehen zu können. Weit gefehlt, denn es trat nach und nach so eine Art Allergie auf, denn L reagierte auf manches von mir Gesagte weiterhin und sogar verstärkt extrem empfindlich, wütend, nicht auf persönlich Gemeintes, sondern auf, wenn man so will, banal zu irgendeiner Thematik Gesagtes oder irgendeine dumme Bemerkung, einen mißlungenen Scherz. L bezog alles auf sich, erwähnte ich etwa die Vorliebe einer Freundin für auffallende Schuhe, schrie L mich an, ob ich glaubte, sie hätte keine tollen Schuhe oder könne sich die nicht leisten. Sie zog mich in ihre Welt hinein, in ihre Wut, wir stritten uns buchstäblich mehrmals quer durch Prenzlauer Berg, ich hatte Schwindelanfälle wegen meiner tiefsitzenden Angst, verlassen zu werden, doch immer noch löste sich jeder Streit nach ein paar Stunden wieder im Sexuellen, in vollkommener Hingabe, wie zum Trotz. Ich fing aber an darauf zu achten, nichts Falsches zu sagen, ganz gegen meine Natur, die mir immer Sprach-Abenteuer erlaubt, versuchsweises Sagen von Was, um zu sehen, was sich daraus ergibt, während sie immer öfter schlechter Laune war und manchmal ziemlich betrunken und aggressiv zu einem Treffen kam. (“Spielte” sie, so überlegte ich, das Ende der Beziehung ihrer Eltern nach zu einer Zeit, als sie in der Pubertät war? Das mag sich wie Küchenpsychologie anhören, aber ich denke, die Frage ist berechtigt.) Nach einem weiteren Streit auf offener Straße allerdings, bei der ihre Wortwahl noch mehr unter die Gürtellinie ging also sonst (“ich bin für Dich doch nur gut zum Blasen”), sagte ich ihr allerdings klipp und klar, daß ich Schluß machen würde, käme das noch einmal vor in dieser Art, und tatsächlich ging sie zu meiner Überraschung darauf ein und bat mich weinend, sie nicht zu verlassen, was mir, das muß ich zugeben, ein seltsames Gefühl bescherte, nämlich das, Macht auszuüben, eine Rolle zu spielen, die mir allerdings widerstrebte und die ich nicht spielen wollen würde, selbst wenn sie verlangt ist. Hatte ich die Pommes schon erwähnt? Nunja, auch das gehört zu meinem persönlichen Jahresrückblick, wir waren einmal Pommes essen, und ja, nach dem Knutschen ist das Zusammen-Pommesessen das Nächstschönste auf dieser Welt! Definitiv! Zum Sex kommt es ja ohnehin, ob man will oder nicht, aber sich als Paar in eine Pommesbude zu begeben und sich Pommes zu bestellen … ich könnte dann dahinschmelzen vor lauter Glücklich-in-der-Welt-Sein! Hätten wir nur öfter Pommes gegessen und uns weniger gestritten, ich hätte nicht einmal daran gedacht, einen Jahresrückblick zu schreiben! Woher nur so bald, plötzlich eigentlich, dieses Mißtrauen gegenüber mir herkam? Oder war das gar nicht so, war das gar kein Mißtrauen, war das Benehmen einer pubertierenden Göre ihr tatsächlich einfach nur Teil einer Beziehung, so wie sie sie kennt und eben auch will? Dabei ist sie erwachsen, macht im Gegensatz zu vielen anderen Menschen eine sinnvolle Arbeit und verdient eigenes Geld – ach, ich weiß es nicht. Jedenfalls kann sie, so bitter das ist, für sich in Anspruch nehmen, die Frau zu sein, auf die ich in meinem Leben am allermeisten sauer war, und tatsächlich ist sie sogar die erste, mit der ich Schluß gemacht habe. Nicht etwa, daß ich alles richtig gemacht hätte in diesen vier Monaten, aber am Ende war es so, daß sie mir nicht einmal mehr hat sagen wollen, was ich denn aus ihrer Sicht wieder Falsches gesagt oder getan habe, wahrscheinlich weil sie davon ausging, ich hätte das mit Absicht gemacht, mit Absicht mein (Fach-) Wissen um was auch immer zu ihrer Demütigung benutzt, wovon wirklich und wahrhaftig nicht die Rede sein kann. Das letzte Schöne war ein schweißnaß durchtanzter, volltrunkener Abend gewesen mit geilem nächtlichen, natürlich verhütendem Posex und einem Aufwachen am Morgen wie verwachsen und verwandelt. Zwei Wochen später dann ein Abend im Theater, danach ein letzter Streit, wie ich ihn nie wieder erleben wollte (was hast Du Dir dabei gedacht, L, glaubtest Du, ich hätte nur gespielt, als ich sagte, ich ließe mir so etwas nie wieder bieten?), ihr Kram in einer Plastiktüte, meine Wut, das fast sofortige Wegbrechen meines Vertrauens auf eine gemeinsame Zukunft, so wie ich das in dieser Art noch nie erlebt habe … denn eigentlich war ich bisher immer sehr lange noch hoffnungsvoll gewesen, zu oft zu lange wahrscheinlich … Auf ihre Versuche einer Wiederannäherung konnte ich nicht eingehen, es ging einfach nicht, ich war so deratig voller Wut … Allerdings flogen noch Mails hin und her, und wenn mir durch diese etwas klar wurde, dann, daß Ls Selbstwertgefühl nicht stabil genug ist, um wohlwollend des anderen “Fehler” zu akzeptieren, um (unter anderem) darauf, auf dieser grundsätzlichen Akzeptanz, eine Beziehung, eine Liebe zu gründen. Letztlich aber habe natürlich auch ich die ihren nicht aushalten können, und ich weiß bis heute nicht, wie ich mich adäquat hätte verhalten sollen, um der Beziehung eine Chance zu lassen, zu geben. Das kurz zu der kurzen Beziehung von L und N, die nicht hat funktionieren wollen und zu der es noch viel zu sagen gäbe, was aber auch keinem mehr weiterhilft.

Jahresrückblick 2014:9, Norbert W. Schlinkert

Mitte des Jahres 2014 war ich jedenfalls wieder von den Frauen geheilt und ganz und gar nicht darauf aus, mich eng an ein weibliches Wesen zu binden, auch weil ich, das mag sich seltsam anhören, aber so war es, sexuell noch immer erfüllt war, alles Sinnliche glühte noch nach. So war es auch dann zunächst nur ein schöner Zufall, auf einer Literaturveranstaltung K kennenzulernen, mit der ich mich Anfang des Jahres auf einer durchaus und absolut nicht langweiligen Geburtstagsfeier schon einmal unterhalten hatte, ohne daß man sich danach, sah man sich zufällig (und nicht selten) im Kiez, grüßte. Aber ich wußte, wer sie ist (und einmal hatte ich mit L einen heftigen Streit, nur weil ich von dieser Geburtstagsfeier berichtete und auch sie erwähnte – L kann auf buchstäblich alles und jeden extrem eifersüchtig reagieren, etwas, daß mir, weil es klein und häßlich macht, fremd ist). Zwei weitere absolut zufällige Treffen mit K folgten dem ersten langen Gespräch auf jener Veranstaltung, erst ein schöner Nachmittag, ganz locker und leicht, dann ein Samstag auf dem Markt, ein Herumstromern in Mitte, das Suchen nach einer Pommesbude, am Rosenthaler fanden wir eine, das Da-Sitzen, das Pommesessen, das Quatschen – selten einen schöneren Tag erlebt. Und ja, es hat mir vollkommen gereicht, mit einer schönen Frau Zeit zu verbringen, wir hatten das sogar geklärt, sie habe eine Trennung hinter sich, jetzt bleibe ich erst mal für mich, so sagte sie, gut, sagte ich, da sind wir uns einig. Ich war tatsächlich beruhigt und gönnte mir einfach mein kleines Vergucktsein in sie, ohne den großen Zampano spielen zu wollen, ja ohne überhaupt eine Rolle haben zu wollen, nicht Zampano, nicht Onkel für die Kinder, nicht der von weiblicher Schönheit Eingeschüchterte, nichts von alledem – aber geht das, keine Rolle spielen zu wollen? Womöglich war das schon der Fehler im “System”, der zusammen mit anderen Fehler meinerseits und ihrerseits Wochen später dazu führte, sich nun für immer nicht zu grüßen und nicht mehr zu kennen. Weder will ich sie noch sehen noch sie mich. Es hätte tatsächlich eine wunderbare Freundschaft werden können, denke ich, aber wieder einmal hat das Mann-Frau-Ding das unmöglich gemacht, so jedenfalls sieht’s aus. Warum habe ich die Zeichen zwar deutlich gesehen, nicht aber mich zurückgehalten? Ich werde mich nicht ungefragt in Deinem Leben breitmachen, das sagte ich ihr mehrmals, doch als sie mich hineinzog, mir nah sein wollte, auch körperlich, behutsam erst, fühlte sich das für mich zwar ein wenig fremd an, aber eben auch erregend, sinnlich erregend. Gar nicht mal unmittelbar sexuell. Da wäre dann wohl der richtige Zeitpunkt gewesen, um Klartext zu sprechen, sie an ihre Worte zu erinnern, sie wolle erst einmal ihr Leben ganz für sich haben, ohne daß da jemand, ohne daß da ein Mann sei. Aber ich fühlte mich eben auch sauwohl in dieser, ihrer lebendigen Umgebung, kam mit allen gut aus, ich fand es schön, von K angerufen zu werden und gesagt zu bekommen, ich muß dauernd an Dich denken, können wir uns sehen, komm vorbei. Wer fände das nicht schön! Und doch sah ich und hörte ich die Zeichen, die mich warnten, ich sprach auch mit Freundinnen darüber, daß K zwar immer mehr meine Nähe suche, mich gleichzeitig aber auch verbal immer wieder kurz ablehnend anging, etwa indem sie über Zukünftiges sprach, ganz praktische Dinge, die man gemeinsam bewerkstelligen könne, worauf sie dann oft den Satz wenn wir uns dann noch kennen anfügte. Oder sie sang sozusagen in diesem Sinne Zeilen von Tom-Waits-Songs mit (den ich mir aber durch sowas nicht versauen lasse, den höre ich seit 1979, das ist wie eine unkaputtbare Beziehung). Und ähnliches mehr. Mein Fehler, das nicht noch deutlicher, als ich es einmal tat, anzusprechen. Auch daß K oft, wenn denn der verantwortungsvolle Teil des Tages bewältigt war, sich ziemlich betrank, wollte mir einerseits gefallen, denn dann wurde sie weich und poetisch und lyrisch, keine Spur mehr von all der nervigen ironisch-burschikosen Weltdistanzierung, nein, sie war dann ganz sie selbst, fand ich, und wenn sie nicht einmal mitten in einem volltrunkenen Satz plötzlich innegehalten und mich geküßt hätte, dann wäre es vielleicht dabei geblieben, bei den sinnlich schönen Stunden, es wäre nicht … aber hättste, wennste, könntste, und vielleicht mußte ja alles so laufen, denke ich mir jetzt, nichts anderes war möglich, es ist ihr Lebensprogramm, in das ich hineingeraten und aus dem ich dann eben wieder hinausgeschmissen worden bin. Punktum. Eine Erfahrung, die ich mir hätte sparen können. Tatsächlich sprach ich über all das mittendrin mit einer Freundin, alles spricht dafür, sagte ich, daß K und ich ein Paar sind, sie hat es in meiner und in Gegenwart derer, die es am meisten angeht, ausgesprochen, sie hat sich selbst so verhalten, mir gesagt, was ich aushalten müsse an ihr und so weiter – aber für mich fühlte sich trotz der Fakten das alles nicht so an, irgendetwas, sagte ich, stimmt daran nicht. Die Frau spielt ihr Spiel, sagte die Freundin hellsichtig, laß Dich nicht da hineinziehen! Und beim Küssen blieb es ja nicht, ich schwankte hin und her, zwei Möglichkeiten standen mir vor Augen, entweder Rückzug und ein Vermeiden intimer Augenblicke, oder das tatsächliche Ausprobieren, ob es den ginge mit uns, K und mir. Und da man nie wissen kann, dachte ich, sollten wir es ausprobieren, für zwei Tage wegfahren und sehen, wer wir füreinander sein können, ob es denn klappt, das Miteinandersein, das Sexuelle, das Sinnliche. Einmal nur hatten wir wirklich miteinander geschlafen, doch nicht so, wie ich mit Frauen gerne schlafe, mit viel Zeit, mit viel Initiative meinerseits, sondern auf eine Art, die ans Ende einer sinnlichen Nacht paßt, beim zweiten oder dritten Vögeln, wenn man schon wund und müde ist, jedenfalls seh ich das so. Nun, K wollte das erst auch, dieses Ausprobieren, zwei Tage irgendwo hinfahren, es war sogar zunächst ihre Idee gewesen, doch dann wieder wollte sie wieder nicht und entzog sich mir für Tage, meldete sich nur einmal kurz per SMS, sie müsse alleine sein. Ein Spiel, ihr Spiel? Und dann geschah wohl der letztlich entscheidende Fehler, denn anstatt mir unter vier Augen in aller Ruhe und in angemessener Form zu sagen, daß sie das mit uns dann doch so nicht will, was bei mir auf fruchtbaren Boden gefallen wäre, schrieb sie mir eine Mail, keine böse Mail, durchaus nicht, auf die ich dann verständnisvoll wieder per Mail reagierte. Da hätte alles in Ordnung sein können, die Mißverständnisse ausgeräumt, alles klar für eine schöne Freundschaft – allein, ich fühlte mich, ohne es gleich zu bemerken, absolut herablassend behandelt, mit einem Schreiben bedacht, abgespeist, offenbar eines persönlichen Gesprächs nicht für wert befunden. (Hatte ich das nicht L auch angetan? Ja.) Das hat mich viel tiefer gekränkt, als ich zunächst dachte, auch ihr Verhalten beim nächsten Treffen empfand ich als herablassend, als sei ich irgendwer und nicht der, dem sie dauernd versichert hatte, ihn sehr zu mögen, was ich aber alles zu überspielen versuchte, was wiederum mein Fehler war. Auf kleine Anfragen per SMS, ob sie zum Beispiel auf den Flohmarkt gehe und man sich da vielleicht sehen könne, reagierte sie bald darauf erbost und in einem Ton, als verfolge ich sie, ich schrieb eine langen Brief, um das Verhältnis zu ihr zu klären, eine Grundlage zu schaffen, um erwachsen und freundschaftlich miteinander umzugehen, aber es war zu spät dafür. Imgrunde haben wir beide mehrmals versucht, alles in eine Freundschaft hinein zu retten, uns dabei aber einfach gegenseitig gekränkt, verunsichert und (von anderen viel früher gerissene) Wunden wieder aufgerissen. In einer Mail versuchte sie dann noch, mir größtmöglichst eine reinzuwürgen (so übertrieben, daß die verletztende Absicht sehr klar war und alles stumpf machte), mir zu sagen, was an mir alles scheiße ist, nämlich eigentlich alles, nichts war richtig und nichts paßte, und dabei hattest Du einmal ein Kleid tagelang an, weil es nach mir roch – wie konntest Du Dich so täuschen in allem, in mir, fragst Du Dich das nicht!? – ich schrieb eine Mail zurück und … naja, es war schon längst alles gewöhnlich geworden und absolut nicht mehr zu retten. Am Ende stand dann zunächst ein sehr kurzes Gespräch, ich saß auf dem Falkplatz auf der Wiese in der Sonne und las, als ich irgendwann bemerkte, daß K zwanzig Meter weiter sich hinsetzte. Ich las weiter, ging dann aber zu ihr hin und fragte sie, warum sie mir das alles nicht einfach gesagt hat, anstatt mir eine böse Mail zu schreiben. Sie habe, sagte sie, sich einfach was aus den Fingern gesaugt, und das alles täte ihr sehr leid. Mir, antwortete ich, täte es auch sehr leid, tja, und da hockte ich nun da vor ihr, beide Pipi in den Augen, und dann ging ich, sie sagte, sie sei verabredet. Tage später schrieb ich ihr noch eine Mail des Inhalts, ich trüge ihr nichts nach und womöglich könne man sich irgendwann wieder begegnen, was sie in ihrer Antwort aber ausschloß, sie habe ihre Gründe und ich sei ihr auch einfach zu anstrengend. Eine recht klare Aussage, immerhin, mit der ich gut leben kann, und letztlich bleiben von solch kurzen Beziehungen ja auch nicht die negativen Dinge haften, das war bisher bei mir immer so, sondern eher die schönen, will sagen, Knutschen und Pommesessen – und das gilt auch für das Geschehene im nun bald verflossenen Jahr 2014, in dem noch viel, viel mehr geschah und in dem ich durchaus nicht nur vor mich hin geträumt habe.

Jahresrückblick 2014:5, Norbert W. Schlinkert

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