Verschlagwortung

Verschlagwortung ist ein brutaler Begriff, doch findet sich eben diese allüberall, naturgemäß in den Überschriften von Zeitungs- und sonstigen Artikeln, aber mitunter auch und dies nicht selten in den Texten selbst, denn das kluge Schreiberlein von vor allem Online-Texten weiß um die Wirkung dieser Worte. Sascha Lobo zum Beispiel, der ja selbst ein Schlagwort ist, beendet seine Artikel im Käseblatt für Möchtegernintellektuelle meist mit einem zaghaft ironischen tl; dr, too long; didn’t read, und einer folgenden Krzzsmmnfssng, in der die Schlagworte sich gegenseitig auf die Füße treten. Wer also nicht ausführlich informiert werden möchte, soll wenigstens ein paar Schlagworte vor den Deetz und um die Ohren geschlagen bekommen, so wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn so ein Doofkopp einem sein Boulevardblättchen mit den Balkenüberschriften präsentiert, während man selbst Jean Paul oder Thomas Pynchon oder so liest, auf jeden Fall aber schön dicke Bücher, falls es zum Klassenkampf kommt. Só, jetzt habe ich pflichtschuldig ein paar Schlagworte in meinen Text gepackt, und damit soll es auch sein Bewenden haben.

PS: besagter Lobo macht übrigens hier eine Ausnahme und ruft der Leserschaft am Ende seines Textes ein too short, didn’t read; zu, und zwar aus triftigen Gründen, denn manches verlangt eben doch Länge.

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Der Bachmann-Preis-Zirkus

Der Bachmann-Preis-Zirkus zieht wieder durch die Lande! Und durch die Köpfe der Artisten! Und durch die der Artistenkritiker! Und durch die des Publikums, im Fernsehstudio und vor den Empfangsgeräten! Und – nee, durch meinen Kopf nicht, oder nur kurz, nämlich jetzt. Hat allerdings schon gereicht, um Lippenherpes zu kriegen, echt wahr. Schon dieses gemeinschaftliche Seitenumblättern des Lesemanuskriptes hört sich an wie eine langsam fallende Guillotine, aber das kann wohl nicht anders sein, wenn erwachsene Menschen anderen erwachsenen Menschen etwas vorlesen, klar, da muß natürlich jeder mitlesen, war ja schon immer so, schon zu Homers Zeiten war das so, da kann man nix dagegen haben und nix dagegen machen. Finden ja auch alle super! Zum Glück aber wird das schlecht angezogene Bildungsbürgerpublikum nicht gar so oft gezeigt, da bin ich persönlich schon dankbar, dafür aber leider dann viel zu lange die Herren und Damen Kritiker, die aus dem langsamen Fallbeil mitunter eine richtig geile Guillotine machen. Ratsch! Waren ja schließlich auch mal kurz Schriftsteller, bevor sie Kritiker wurden, da hat man natürlich eine große Verantwortung zu tragen, is‘ ja klar. Sollen aber, nämlich die Schriftsteller und Schriftstellerinnen und die Kritiker und Kritikerinnen, dann doch wie eine große Familie sein, sagten mir die, die da schon mal lesen durften, auch beim Fußballspielen und beim im See baden und beim Trinken und so. Und der Region hilft es ja auch, habe ich gehört, da kommen Touristen aus aller deutschsprachigen Herrenländer, und das ist natürlich auch gut, supergut, auch da kann man nix dagegen haben. Alles bestens! Alles prima! Alles Literatur! Und ratsch!

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Ein Schriftsteller muß vor allen Dingen schweigen können!

Eine innere Stimme sagte mir, ein Schriftsteller müsse vor allen Dingen schweigen können! Verwundert hielt ich inne, aber die Stimme war schon entschwunden. Was sie wohl damit gemeint haben könnte? Vielleicht daß man so als Schriftsteller, jemand also der Schrift immer so präzise und stimmig und kontextgenau wie nur möglich stellt, sich nicht am allgemeinen Gequatsche beteiligen sollte? Meinte die Stimme das? Wenn ja, dann hätte sie so unrecht nicht, denn zu schweigen heißt schließlich auch, im Unbeteiligtsein zuhören, acht geben zu können und so das Äußere im inneren Resonanzraum erklingen zu lassen, es zu prüfen für etwaige Verwendung. Ich wende ein, wie wichtig es aber sein kann, eben doch mitunter mitzutun, mitzuquatschen, das Schweigen zu unterbrechen und dann sich selbst und alles eben mal so zu beobachten – was das Zeug hergibt! Keine Antwort, die Stimme bleibt entschwunden. Auch gut.

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Hartgesotten

Hartgesotten muß man sein und wohlgesonnen seiner selbst, dann wird schon nichts schiefgehen! Was hat man schließlich zu verlieren, also ich, denke ich mir und nutze meine Zeit zum Erfinden von Geschichten, die es so noch nicht gegeben hat. Wie sagte schon der Schriftsteller Tomás Ó Criomhthain: “… mar ná beidh ár leithéidí arís ann”, „… denn unseresgleichen wird es nie wieder geben“, und da hatte er natürlich ganz recht damit. So schreibt man also seinen Kram, wobei die unmittelbare Belohnung schon im Machen selbst liegt, das ist das Schöne daran, auch wenn ich mittelbare Belohnungen durchaus gerne nehme, damit das ma‘ klar ist, als Zaster, Penunzen, Mäuse, Kröten, Pinkepinke oder Moneten, selbst wenn das hieße, dann etwas zu verlieren zu haben. Das halte ich dann schon aus. Só, und weil das hier so ein fürchterlich anspruchsloser Text ist, als Trost noch ein schönes blaues Foto.

Abendblau. Norbert W. Schlinkert

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Asozialitätskunst

Ich habe an dieser Stelle schon des öfteren meine Ansicht kundgetan, wie bereichernd es sein kann, Romane nach zehn oder zwanzig oder noch mehr Jahren noch einmal zu lesen. Schließlich ist man nicht mehr der Selbe wie anno dazumal, denn man hat ja im besten Falle eine Menge hinzugelernt, durchs Leben selbst und wohl auch durchs Lesen. Momentan lese ich (wieder) Aus Dalkeys Archiven von Flann O’Brien und muß konstatieren, welch wunderbares Buch das doch ist, nicht zuletzt auch, weil der Autor darin mit seinem berühmten Kollegen James Joyce nicht gerade zimperlich umgeht, ist er, O’Brien, als Satiriker, der er auch ist, doch jedem Personenkult abhold. Das ist mir sehr sympathisch. Auch mit De Selby ist er übrigens nicht zimperlich, das kann ich Ihnen sagen! Manchmal werfe ich allerdings den Roman auch mitten im Kapitel zur Seite und lese in etwas anderes hinein, was so rumliegt. Bei Rainald Goetz las ich gestern oder vorgestern „Ich wollte sagen: daß bestimmte Textformen die zugespitzteste und vielleicht einzige Asozialitätskunst sind, die es überhaupt gibt. Schrift. Wenn man wüßte, seit wann es den Begriff SCHRIFTSTELLER gibt, wüßte man schon ein bißchen mehr.“ (Rainald Goetz: Abfall für alle. Roman eines Jahres. st 3542. S.127.) Starker Tobak das! Behauptet der das so einfach! Recht hat er natürlich, und zwar zumindest unter der Voraussetzung, daß ein in seinem Text anwesender Autor und ein diesen Text lesender Leser zusammen einen asozialen Haufen bilden können, sozusagen auf Du und Du – ja sind die Beiden nicht wirklich eine womöglich bösartige Verschworenheit gegen alles andere, eine Weg-von-der-Welt-Verkapselung, stellen sie nicht tatsächlich einen Komplott dar, leisten sie nicht in der Tat Widerstand? Indem sie in der Welt eine Welt bilden, allein durch Phantasie und Vorstellungskraft? Meint das der Goetz? A dream within a dream, a world within the world? Oder hieße Asozialitätskunst, sie käme gar nicht erst beim anderen Menschen an?, wobei ja diese schriftlich dargereichte Überlegung eben darüber jetzt immerhin bei mir angekommen ist, der ich sie hiermit dem nächsten Leser darreiche. Seltsam? Aber so steht es geschrieben …“

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Feiertag / Bloomsday

Wissen Sie, heute ist Bloomsday. So einfach ist das. Und nicht nur in Braunschweig, wo ich wegen einiger spannender Veranstaltungen gerne wäre, auch die Zeit wohl hätte, nicht aber die nötigen Penunzen, mich hinzubegeben und dort in adäquater Art und Weise zu verweilen. So geht es den zu Höherem Berufenen oft, auch James Joyce wurde in dieser Hinsicht übel mitgespielt, er hatte nie ausreichend Geld, schenkte der Welt aber destotrotz Unermeßliches in Form von Literatur – und allein aus diesem Grunde bin ich schon immer der Ansicht gewesen, den Bloomsday quasi stellvertretend in Deutschland zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen, zum Festtag des hochwertigen Romans, und dafür ruhig auch einen dieser nervigen christlichen Feiertage zu streichen, die ja schließlich auch nur auf Literatur fußen, nämlich einem antiken Märchen-, Erbauungs- und Benimmbuch. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man gleich ein paar muslimische und jüdische Festtage zu gesetzlichen Feiertagen machen: gleiches Recht für alle. Só. Natürlich wäre ich auch gerne in Irland an diesem 16. Juni, wo noch immer viel erzählt und fabuliert wird, auch, und das hätte Joyce in jedem Fall gefallen, gerne mal mit Musik (Corrosive Joseph [Gesang, Gitarre] & Tanna Fischer [Geige, Gesang]) – sehr schön! Haben Sie übrigens gelesen, was Aléa Torik anmerkte zum modernen (deutschen) Roman: „Es hat zu Beginn dieses Jahres in Deutschland eine Diskussion in den Feuilletons gegeben, warum die moderne Literatur so wenig „welthaltig“ ist und im Grunde immer wieder dasselbe erzählt. Ich meine, der Grund dafür ist einfach zu erkennen: weil man von den Autoren authentische Literatur erwartet und weil wir Schriftsteller, wenn wir dem nachkommen, Erfahrungen nicht länger in der Erfindung verdichten müssen, sondern in der bloßen Entsprechung der Realität entleeren. Aber auch Kafka war – seinem Text „Die Verwandlung“ zum Trotz – nie ein riesiges Insekt und würde man seine Texte mit Authentizität konfrontieren – oder mit Insektiziden behandeln – bliebe vom größten Schriftsteller Europas nicht viel übrig: Kafka würde wie eine tote Kakerlake aus dem Bücherregal fallen.“ So isses!

Und hier zur Feier des Tages noch ein Photographie:

Goldene Brandmauer, Prenzlauer Berge, Norbert W. Schlinkert

 

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Gerne! Leider!

Gerne! Es gab mal Zeiten, liebe Kinder, da hörte man dieses Wort nicht oft, manchmal in dem Satz „Du kannst mich mal gerne haben“, sonst aber kaum. Also: gerne. Es ist ein Modewort geworden, doch je öfter man dieses Wort nacheinander aufsagt, desto seltsamer wird es von innen heraus, es bekommt etwas dezidiert Knödeliges, und Knödeliges ist leider nie wirklich modern. „Gerne haben wir Ihren Text geprüft, müssen Ihnen aber leider …“ … auch so etwas bekommt man gelegentlich zu lesen, heutzutage, als Autor, zwei Lügen bereits im ersten Satz eines Anschreibens, und dabei steht doch irgendwo in der Bibel eindeutig, „Du sollst nicht lügen“, auch wenn die Bibel selbst, gerne weise ich Sie darauf hin, aus nichts als Lügen besteht, weil es Literatur ist. Ein gewisser Alexander Gottlieb Baumgarten wies schon Mitte des 18. Jahrhunderts seinerseits darauf hin, daß die poetische Wahrscheinlichkeit keineswegs in erster Linie auf Glaubhaftigkeit zu gründen ist, weder auf die logische und wissenschaftliche noch auf die historische. Da hat er recht! Gerne unterschlage ich nun die weiteren Zusammenhänge, möchte aber dieses hier gemeinte poetische Streben nach Wahrheit* zugleich auch als Position gegen jede Form des Materialismus verstanden wissen, denn Sie ahnen ja gar nicht, wie sehr wir um poetische Wahrscheinlichkeit Ringenden von kleinlichen Materialisten angegangen werden, die zwar gerne unsere von ihnen so genannten Produkte nähmen, sie aber erstens gerne nicht bezahlen wollen, das ist nun wirklich modern!, und zweitens uns gerne weiter beschimpfen möchten als zum Bruttosozialeinkommen nichts weiter beitragende als Unsinn und Nervkram – Ausnahmen bestätigen dabei natürlich die Regel! – was sich dann eindeutig an deren, der Materialisten Bilanzen ablesen läßt, denn seltenes Nehmen und dauerndes Beschimpfen ist wie Zuckerbrot und Peitsche und zahlt sich durchaus aus. Das ist die Wahrheit, doch so gerne ich Ihnen auch nun die komplexen Zusammenhänge der sich herausbildenden neuen Weltordnung am Beispiel des deutschsprachigen Literaturbetriebes erläuterte, so muß ich dennoch leider passen, denn außer Lügengeschichten käme dabei ja doch nichts rum!

*In der deutschen Übersetzung des lateinischen Textes (von Hans Rudolf Schweizer) werden die Begriffe Wahrheit und Wahrscheinlichkeit durchaus nicht synonym verwendet, ich werf das aber mal postmodern-essayistisch durcheinander. Baumgarten merkt an, man werde im Streben nach Wahrheit nie über die Wahrscheinlichkeit hinausgelangen können, „immerhin aber keine Mühe haben, eine solche Wahrscheinlichkeit – welcher Art auch immer – wirklich zu erreichen(.)“ [Siehe dazu: Alexander Gottlieb Baumgarten: Theoretische Ästhetik. §§ 584 – 590. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1988.]

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Ist Literatur real? Kein Essay!

Wo denken Sie hin? Und was wollen Sie da? Ich für meinen Teil habe keineswegs jeden Glauben an das Gute verloren, vor allem deshalb, weil ich mich sonst ja an all dem Bösen würde beteiligen müssen, das auf dieser Welt allerorten verzapft wird. So sehe ich das. Und würde ich denn sonst, ohne diesen Glauben, das frage ich Sie, weiterhin unverzagt Literatur produzieren, obwohl der finanzielle Abgrund in Riechweite ist? [Jaja, denken Sie nur, da sei doch ein Buchstabendreher passiert, mitnichten: manche Dinge riechen nunmal nicht gut.] Die neueste Meldung ist übrigens die, daß ich mein neues Romanprojekt noch einmal neu gestartet habe, nachdem ich nach etwa hundert Seiten habe einsehen müssen – so geht es nicht, mein lieber Freund und Kupferstecher, so nicht! Also wohlgemuth neu gestartet, und was soll ich sagen, es fluppt, denn das für mich richtige Maß an Absurdität, Wahn, Unsinn, Intellektualität und Spannung scheint zunächst einmal gefunden – selbst wenn ich damit das Risiko eingehe, damit im in seine realistische Literatur absolut vernarrten deutschen Literaturbetrieb keine Bäume ausreißen zu können. Den Franzosen und den Iren und den Briten und den Südamerikanern und auch manchem US-Amerikaner läßt man das ja mal durchgehen, das mit dem Absurden und der Phantastik, deutsche Literaturrrrr aber hat realistisch zu sein! Basta. Schließlich hat man den Leser und die Leserin jahrzehntelang erzogen, da kann man doch nicht von heute auf morgen … aber was rege ich mich auf, kein Grund dazu, nirgends. Ich mach ja sowieso weiter, auch wenn ich nichts versprechen kann, außer vielleicht, daß ich versuchen werde, meine Leser:innen weiterhin maßvoll zu überfordern, und sei es mit Absurdität, Wahn, Unsinn, Intellektualität und Spannung und solchen Sachen, die Freude machen! In diesem Sinne, bleiben Sie verschroben.

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Das gemeine literarische Weblog

Das gemeine literarische Weblog ist so langsam, scheint mir, den Kinderschuhen entwachsen, richtet aber auch keinen Schaden mehr an. Schade. Alles ganz nett also, kaum eine Spur noch der Aufgeregtheiten, als es, Sie erinnern sich sicher, um allerlei Grundsätzliches ging und sich die Kontrahenten bis aufs Blut peinigten, als noch Negerkönige gegen Südseekönige kämpften und Adornojünger gegen Antiadornoisten, Österreicher gegen Deutsche, Grassisten gegen Grasshasser, Aléatoriker gegen Antialéatoriker, Gleichberechtigungsanhänger gegen Feministinnen und so weiter und so fort. Aus. Vorbei. Gewesen. Alles ruhig. Nicht mal bösartige Trolls machen sich in nennenswerter Anzahl noch die Mühe, anständige Schriftsteller:innen übelst zu beschimpfen. Lohnt sich nicht. Nun wird also zur See gefahren. Und nach Paris. Es werden Stadtteile besichtigt. Fotos gemacht und gezeigt. Weblogger interviewen sich selbst. Lyrik entsteht und steht da. Bücher werden besprochen und allseits gelobt, Widerspruch zwecklos, wird weggenickt. Alles schön. Alles easy. Alles gut. Alles supergeil! Schönen Tag noch!

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Der Arschtrittgeist

Ich wüßte gar nicht, was ich schreiben sollte, fiele mir nicht immer etwas ein. Ich kann schon verstehen, daß manche Menschen sich praktisch nie äußern, sich nie zu Wort melden, oder wenn, dann nur das reden, was alle reden. Eigene Gedanken zu haben ist anstrengend, weil Denken an sich schon widerständig ist, es verletzt immer irgendeine gut abgehangene Wahrheit, eine Norm, ein gut geöltes Funktionieren. Um das Denken mir also angenehmer zu machen, spreche ich, so weit möglich, nur mit Menschen, die auch selber denken und dementsprechend scharfsinnig sind, die mich so gut verstehen können wie ich sie. Allerdings kann ich es schon einordnen, daß manch Einer und manch Eine auch mal beleidigt ist, wenn ich mir herausnehme, auch mal politisch unkorrekt zu denken und zu sprechen, das was die in ihrer Einfalt für politisch unkorrekt halten, etwa wenn ich sage, der Lehrerberuf ist kein Beruf, sondern eine Geisteskrankheit, haha, da sind dann schon welche echt sauer, während andere, obgleich Lehrer, sich beömmeln vor Lachen, weil ich ohne Zweifel den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Der Vorteil an solch Denken ist, die Spreu vom Weizen trennen zu können und die Welt für mich zu einer angenehmeren zu machen, doch natürlich gibt es auch Lehrer, das erkenne ich, die nicht in diese Kategorie der gelebten Geisteskrankheit fallen, da bin ich mir ganz sicher, also keine falsche Aufregung, während ich mir bei Lehrerinnen in diesem Punkt widerum nicht ganz sicher bin, aber auch nicht ausschließen möchte, daß sich auch bei dieser Spezies Ausnahmen von der Regel finden. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. So: jetzt habe ich mir diesen Text aber ordentlich versaut, schon allein durch die Erwähnung von Lehrern und Lehrerinnen, aber jetzt fällt mir auch ein, wie ich darauf komme, nämlich durch die geniale Musik, die ich grad mal wieder höre und natürlich durch den dazugehörigen Film, denn schließlich habe ich wie viele andere auch quälende Jahre darauf warten müssen, der Schule zu entkommen, wo ich tatsächlich nichts gelernt habe und also hätte eigentlich dumm, doof und angepaßt werden müssen, nein: sollen, eine kugelrunde Null, wäre mir nicht im noch zarten Alter von ungefähr 14, 15 Jahren ein guter Geist erschienen, der gemeinhin in guten Büchern steckt und mich rettete und der mir auch heute noch tagtäglich in den Arsch tritt, aber so richtig! Dank dafür, guter Geist!

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