Kaum jemand wähnt sich zugehörig, scheint mir! Ich bekomme oft zu hören, daß man ja leider zwischen allen Stühlen sitze, man aufgrund seines Werdegangs oder seines Alters oder seines Geschlechts wegen leider nur eine Außenseiterposition habe, immer kluckten die Dazugehörigen zusammen, schielten manchmal herüber und lachten sich dann kaputt, hört man, das sei echt schlimm. Überhaupt, die auf den Stühlen sind komischerweise alle fies, zum Teil zwar auch untereinander, aber am fiesesten sind die immer gegen mich, ja, das fällt schon auf, weil ich deren Menetekel bin, denke ich, also so wie der oder die will ich ja nicht enden, so nicht, sagen die da sich, da bin ich doch lieber schlau und schnapp mir einen Stuhl, von dem aus ich dann prima auf die zwischen den Stühlen Sitzenden spucken kann, und das Allerbeste ist ja, daß wir Stühlesitzer alle zusammen die Stühlesitzer sind, während die Zwischensitzer da unten hocken und sich allein wähnen, weswegen sie ja überhaupt dort sitzen, aber das verraten wir denen natürlich nicht, wir sind ja nicht blöd, weswegen wir ja auf den Stühlen sitzen, doch das mit unserer Schlauheit darf ruhig jeder wissen, ein bißchen Angst und Rrrrespekt schadet ja nie, also der von unten nach oben gerichtete, den meine ich, der andere ist überflüssig, verstehen die da unten sowieso falsch, entweder denken die, man trüge ihnen die Freundschaft an, als wenn man mit Außenseitern Freund sein könnte, lachhaft, oder aber die denken, das sei nur ein Trick, sie weiter zu demütigen, was jedoch gar nicht nötig ist, das besorgen die schon selbst, diese Außenseiter, die, die zwischen allen Stühlen sitzen und nicht mehr hochkommen, es sei denn zum Dienermachen. So sieht’s nämlich aus.
Außenseiter zwischen allen Stühlen
Die Hoffnung stirbt am schönsten
Das Freund-Feind-Denken nimmt Überhand, könnte man meinen – nicht erst seit neuestem, sondern vielleicht schon seit der zweiten geistig-moralischen Wende, die damals von Reichskanzler Schröder und seinem Propagandaminister Fischer eingeleitet worden ist. Zum Glück gab es damals noch keine einsatzfähigen Alltags-Drohnen, wie sie der jetzige Kriegsminister einzusetzen gewillt ist, wenn es um die Bekämpfung der zu Bekämpfenden geht, wenngleich wir in diesem Bereich noch ganz am Anfang der Entwicklung stehen. Klar ist, daß es in immer stärkerem Maße um Geld und Macht gehen wird, was auch heißt, daß es um Armut und Machtlosigkeit geht als der anderen Seite der Medaille, Hauptsache, der Rubel rollt. Rettung ist jedenfalls nicht in Sicht, der Mensch als solcher kann nicht anders leben als in diesem Spannungsverhältnis von Groß & Klein und Reich & Arm und so weiter, es geht immer um Ressourcen und Handelswege, um heiligen Bimbam und trocken Brot. Umso wichtiger ist es, das muß ich dann leider an dieser Stelle ausdrücklich betonen, zu wissen, wer einem Freund und wer Feind ist, wem man vertrauen kann und wem nicht, was ich persönlich eigentlich immer aus dem Bauch heraus entscheide und nie nach irgendwelchen dummen Kriterien, die da so in der Welt herumgeistern. Letztlich aber geht es natürlich um Aufklärung, einfach der Hoffnung auf Besserung wegen, zu der natürlich auch ich meinen Beitrag leisten will, nämlich mit diesem Knips-Smiley. Voilà!

Erleuchtung light
Für heute habe ich mir einiges vorgenommen – zuerst einmal will ich hier einen bedeutenden Beitrag schreiben, der die Prenzlauer Berge leuchten macht, sie in gleißendes Licht taucht, ihnen den Glanz verleiht, den sie schon immer verdienten – doch Sie ahnen es sicher bereits schon an dieser Stelle, mir fällt nix Erleuchtendes ein, das solch eine Erleuchtung auslöste, es sei denn, man könne neuerdings Energie aus Blödsinn erzeugen, was allerdings das Energieproblem dieses Planeten für alle Zeit löste. Bleiben wir also bei der guten alten Sonne und bedenken ganz beiläufig unserer Lektüre, Robert Musil, Alban Nikolai Herbst, Johannes Urzidil und Homer, ohne hier an dieser Stelle etwas dazu zu schreiben, denn woher die Zeit nehmen, wenn der eigene Romantext fleißig weiter bearbeitet werden will, wozu auch gehört, parallel eine Inhaltsübersicht zu erstellen, um anhand dieser dann Waschzettel unterschiedlicher Länge für die unterschiedlichsten Zwecke (Agentur, Stipendienbewerbungen usw.) herzustellen, damit am Ende nicht nur ich Freude an diesem Roman habe, denn das wäre ja ungerecht nicht zuletzt gegenüber dem Lesepublikum, das das unverblümte Recht hat auf lesenswerte Literatur, auch und besonders in Zeiten des wechselnden Lichts und der zuneige gehenden Akkuladungen im ungünstigsten Augenblick, denn was anderes hätte denn schon Homer getan als den Leuten Geschichten zu erzählen, die so wahr wie erstunken und erlogen sind, weil die reine Wahrheit und nix als die Wahrheit langweilig ist ohne die Lügengeschichten, die zuvor erzählt worden sind und die auch nach dem unendlich winzigen, luziden Augenblick der Wahrheit sofort wieder einsetzen, wie von selbst, ganz natürlich, ganz menschlich, weil wir uns doch alle auf dem Weg zur Erleuchtung wähnen, während unter unseren Füßen die Glühbirnen knirschen, so jedenfalls wird behauptet.
Indifferentisterei
Manchmal ist es schwer, an der eigenen Arbeit dranzubleiben – in meinem Falle ist das momentan die sich dem Ende zuneigende Romanüberarbeitung – und sich nicht nach der üblichen Leibeigenschaft und dem Lohnsklaventum zu sehnen, Zustände, mit denen die meisten Menschen sich so überaus zufrieden, ja glücklich wähnen, wenn sie denn auserkoren sind, teilzuhaben. Was mag da bei mir nur schiefgegangen sein, frage ich mich, fehlt es mir etwa an Demut gegenüber der Schöpfung der Marktwirtschaft, fehlt mir der Glaube an die Vorherrschaft des kapitalistischen Systems, oder aber fehlt mir die Naivität, an die Durchschlagskraft eines bestimmten Gegenmodells zu glauben oder gar der allesvernebelnde Blick, der so vielen Menschen in den entscheidenden Augenblicken Energie verleiht? Jedenfalls fehlt mir etwas, das ich mir jetzt nicht mehr beschaffen kann, das mir niemand freiwillig geben würde, selbst wenn das ginge – und so muß ich wohl mit dem Vorlieb nehmen, was ich tatsächlich habe und mit dem ich tatsächlich arbeite. Ich empfinde dieses Arbeiten und alle meine dazu benötigten Fähigkeiten und das dazu benötigte Wissen jedenfalls als so etwas wie meine klarstmögliche Positionierung in dieser Welt, während ich öfter und in der letzten Zeit wieder einmal verstärkt erfahren muß, daß mich einige sich klar positioniert dünkende Zeitgenossen als einen Indifferentisten empfinden, auch wenn sie das nicht so ausdrücken würden, selbst wenn sie dies läsen, was sie sicher nicht tun. Ich fürchte übrigens, der Beurteilung meiner Person liegt in einigen Fällen charakterliche Schwäche und auch partielle Dummheit zugrunde, was aber zum Glück von Menschen ausgeglichen wird, die offen und herzlich, erwachsen im besten Sinne sind, die das gedeihliche Miteinander, das Decorum, eben nicht allein als Wirtschaftsfaktor sehen oder als Selbstbedienungsladen, in dem der am meisten abgreift, der am besten klauen kann, sondern als Möglichkeit, es allen gut gehen zu lassen. Aber was rege ich mich auf, sage ich mir immer wieder, ist doch gut, wenn sich die Spreu vom Weizen trennt.
Schreibhemmung
Ich habe im Moment so eine Art Schreibhemmung – echt wahr!, selbst wenn das nicht dienlich sein sollte. Allerdings liegt das nur daran, daß es (Achtung: Leser:innenbeschimpfung!) nach wie vor zu wenig Leser und auch (Obacht!) Leserinnen gibt, die willens und in der Lage sind, der publikumsnächsten Kunstform, der Literatur, mit der nötigen Aufmerksamkeit, Konzentration und Strenge entgegenzutreten, auf daß sie im Lesevorgang gelinge. Lesen ist nicht (aufgepaßt!) die leichteste und einfachste Form der Unterhaltung, sondern erfordert eigenen Einsatz, Hingabe und Kontemplation, dazu Empathiefähigkeit, Willenskraft und Ausdauer. Wer sich also tagsüber aus Notwendigkeit oder Geldgier schon ausgepowert hat, der sollte abends seichte Filmchen gucken, von denen es auch deutlich mehr gibt als ernsthafte, oder Literatur auf Groschenheftniveau lesen, geschenkt, nehme ich niemandem übel, wenn er nach der Lohnarbeit müde ist, wohingegen alle anderen sich an der Kunst versündigen, wenn sie sich ihr aus reiner Faulheit oder einem falschverstandenen Hedonismus verweigern, was allerdings durchaus mein Eindruck ist. Doch wenn Sie, die Verweigerer, denken, mich so vom Schreiben abzuhalten, damit der Druck nicht noch größer wird, so haben Sie sich ins faule Fleisch geschnitten – – – Nehmen Sie sich, verdammt noch mal, ein Beispiel an Oblomow, der zwar auch nicht als großer Leser in die Weltliteratur einging, immerhin aber als Oblomow, der Faule, der es wenigstens versuchte, nicht mehr faul zu sein, doch davon sind Sie, die Verweigerer, weit entfernt, scheint mir, denn glauben Sie im Ernst, ich oder ein sonstwie Schreibender erwähnte Ihrer nur in einem Nebensatz!? Gut also, daß Sie dies hier gar nicht gelesen haben! Ha!

Vogelbesuch
Bedenkt man den Umstand, daß ich persönlich nix Spannendes zu erzählen habe, so habe ich doch schon so einiges erzählt, dünkt mir. Ich erfinde eben das meiste, was aber, das ist nicht zu übersehen, nicht unbedingt gut ankommt, wenn man sich nicht eindeutig oder sogar gar nicht in den Fantasy-Bereich hinein verfügen kann. Lügner! schreit man mir also lautlos entgegen, denn welche Anmaßung, nicht von sich zu erzählen. Ich tät’s ja womöglich, nicht um Preise abzugreifen, sondern weil ich müßte, aber da ich eben nicht muß, tue ich was ich will. Egoist! schreit man mir also lautlos entgegen, denn welche Anmaßung, nicht von sich zu lassen. Übrigens kam letztens ein Vogel bei mir vorbei, fand es aber langweilig und flog wieder davon. Ist ihm nicht zu verübeln.

Hatschi und Kratzi
Zum Glück bin ich nicht krank, ich fühl mich nur so – Sie ahnen es, ich gehöre zu denjenigen Zeitgenossen, die den Frühling zwar herbeisehnen, nicht aber wirklich genießen können. Drei, vier Monate im Jahr ist Heuschnupfen nur eine ferne Drohung, doch wenn er dann wieder zuschlägt, ist man schlapp und schlaff und verschnupft, es juckt, die Augen sind gereizt, ja überhaupt ist der ganze Mensch in einer gereizten Verfassung, die nichts Gutes erhoffen läßt. Wenn der Heuschnupfen wenigstens ein wichtiges Sujet in der Literatur wäre, so würde man sich aufgehoben fühlen, verstanden, wäre verknüpft mit etwas Höherem, einem Sinn, mit irgendetwas, was nicht einfach nur so banal und ungerecht ist. Sollte sich also ein Autor mal hinsetzen und den Heuschnupfenroman schreiben, ein Mensch auf der Flucht vor der bösen Polle, vor der noch böseren Kreuzallergie, sein Kampf wider den Menschheitsfeind! – und da das Thema populär ist, machen wir doch gleich auch noch einen Film aus der Sache, samt personalisierter Polle (siehe das mit erheblichem Risiko gemachte Foto unten), die das Menschheitsgeschlecht vernichten will, was nach Helden und Heldinnen ruft, die röchelnd sich dem Feind entgegenwerfen, der sich zugleich aber in ihnen einnistet und sie von innen zu zerstören sucht. Ein super Thema, nicht wahr, und wäre ich nicht so schlapp, würde ich mich auch sofort an die Arbeit machen, großes Nieserehrenwort – Hatschi!

Zärtlich bebilderte Ablenkungsmanöver?
Als wenn nicht die meisten Ablenkungsmanöver schiefgingen! Miss TT spricht auf Tainted Talents von solchen, weil von dem wirklich Wichtigen, vom Wichtig-Persönlichen, ist es nicht unbedingt positiv konnotiert, in so einem Blog womöglich nicht geschrieben werden kann oder sollte, so daß sich ablenkende Gesten geradezu anbieten – denn, sage ich, in Gesellschaft spielt man nun mal eine Rolle, die nur zu einem kleinen Teil selbstbestimmt ist. Naja, man muß ja auch nicht immer quatschen, man kann das, was einen so umtreibt, ja auch in ein Bild packen, und so will ich das mit den zärtlich bebilderten Ablenkungsmanövern einfach mal selbst ausprobieren, also denken Sie sich diesen ohnehin holprigen Text mal weg und sehen Sie nur auf das Bild hier. So geht’s mir im Moment unter Umständen, vielleicht und möglicherweise, oder aber eben auch nicht:

Weltberühmtheiten
Es gibt zur Zeit etwa sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten, und die meisten kenne ich gar nicht. Sicher aber ist, man würde sich gegenseitig als Mensch erkennen, träfe man sich. Sicher ist auch, daß ein jeder dieser Menschen für sich allein seine ureigene Welt belebt, in die niemand so tief eindringen kann, wie er selbst in ihr steckt. Desweiteren ist klar, daß in den, sagen wir mal, nächsten hundert Jahren Milliarden von Menschen sterben werden, ein Massensterben also, während zugleich gezeugt und geboren und gelebt wird. Macht man sich dies alles klar, so wirkt die Behauptung, dieser oder jener Mensch sei weltberühmt, doch reichlich naiv. Ich kann mich noch gut erinnern, wie vor einer ganzen Weile zwei schweizerische junge Männer mich nach der Bar Becketts Kopf fragten, die müsse doch irgendwo hier sein, worauf ich ihnen den Weg und zugleich darauf hinwies, die Bar hätte keine Leuchtreklame, im Fenster sei aber das fotografische Porträt Samuel Becketts in einem Leuchtkasten vor einem Vorhang zu sehen, man könne also imgrunde nicht vorbeilaufen – worauf mich der eine der beiden fragte, wer denn dieser Beckett überhaupt sei. So was!

Die gute Tat!
Ich kenne Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen und Ansichten und Lebenserfahrungen, aus allen Altersstufen, mit allen möglichen Gewohnheiten, in allen möglichen Lebenssituationen steckend. Ich könnte es mir einfach machen und jedem Einzelnen nach dem Mund reden und die damit verbundenen Vorteile abgreifen, doch eben dies tue ich nicht, eigentlich kann ich es auch nicht, ja, mir fehlt diese Fähigkeit, wodurch sich vieles erklären läßt. In jedem Fall bin ich immer der Andere, woraus folgt, daß Ihr mich alle zusammen mal kreuzweise könnt! So, das mußte mal wieder gesagt werden und das war dann auch meine gute Tat für heute.
